Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 7-8 (April 1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 177 (sequence 15)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 100% known words query
- IRI
…/2551369-2551397-2551402--1491-2553004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
177 diesem Schritte zurückscheuten. Haben sie 80 Unrecht gehabt? Haben sie die Gefahren nicht etwa richtig gesehen? Wieviele in Deutschland sind dieser sozialen Emanzipation zum Opfer gefallen? Wissen wir nicht alle, daß nur ein kleiner Bruchteil des deutschen Judentums erhalten geblieben ist? Haben sie nicht recht gesehen? Und doch handelt es sich immer darum, jenen Augenblick zu erfassen, wo man erkennen kann, ob es etwa eine vorübergehende Erscheinung, eine augenblickliche Prüfung Gottes, oder ob es eine große Aufgabe ist, die Gott gestellt hat, eine Aufgabe, die wir zu lösen haben und deren Lösung wir uns nicht durch einfache Negation entziehen dürfen. Daß unsere Väter, so lange es ging, nur die Gefahren der sozialen Emanzipation sahen, und zunächst nur hemmten und hemmten, das ist verständlich. Als aber der Moment kam, wo man begreifen mußte, daß diese soziale Emanzipation unwiderruflich ist, da mußte man begreifen, daß es sich hier um eine Aufgabe handelt, die man lösen müsse. Nicht anders aber geht es mit der nationalen Emanzipation des jüdischen Volkes, in der wir ja heute letzten Endes mitten drin stehen. Durchaus verständlich, daß wir zunächst nur und nur die Gefahren sahen auf diesem Wege, und waren denn diese Gefahren nicht vorhanden? Sind denn dem Zionismus im Osten nicht tausende von jüdischen Seelen zum Opfer gefallen? Und 90 bekämpften wir zunächst mit vollem Recht den Zionismus. Aber Jahre sind inzwischen vergangen, und heute genügt es nicht mehr, nur die Gefahren zu sehen der nationalen Emanzipation, nur zu warnen, nur vorzubeugen, nur zu hemmen. Heute gilt es zu erkennen, daß hier für das thoratreue jüdische Volk endgültig eine Aufgabe vorliegt, gestellt von dem Gott der Geschichte, und daß wir weder das Recht noch die Möglichkeit haben, uns der Lösung dieser Aufgabe zu entziehen. Wir haben wahrlich lange genug mit vollem Recht uus gewehrt gegen das, was hier kam. Nie hätte einer unserer Führer, eine der Thoragrößen des jüdischen Volkes etwa, den Mut besitzen können, dieses Zeitalter der nationalen Emanzipation selbst zu inaugurieren, selbst heraufzubeschwören. Hier sehen wir deutlich die Wege der Vorsehung. Um dieses Zeitalter der nationalen Emanzipation heraufzubeschwören, waren wirklich Männer notwendig, wie Theodor Herzl, die alle diese Hemmungen, alle die Befürchtungen, die unsere Führer hatten und haben mußten, niemals hatten und niemals kannten. Aber so wie bis jetzt geht es nicht mehr weiter, wenn wir nicht Gefahr laufen