Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 5-6 (Februar 1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 142 (sequence 32)
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142 gebraucht, davon spricht, daß die Schule als ״Schule innerer Einheit“ erlebt wird. Wenn man aber nun feststellt, worin diese Einheit besteht, wenn man etwa das jüdischreligiöse oder das jüdischnationale Erziehungsideal kennen lernen will, zu dem nunmehr das Philantropin seine Schüler zu erziehen sich zur Aufgabe gestellt hat, liest man die merkwürdige Antwort: ״Jedes Elternhaus wird von Lehrern und Schülern als unantastbar überliefert. Ehrwürdige Gemeinschaft in selbstverständlicher Ehrerbietung als vorbehaltlos gleichberechtigt empfunden. In Zweifelsfällen jüdischen Gewissens entscheidet, nach seiner Tradition, das Elternhaus.“ Eine merkwürdige Einheit: Alle Kinder werden so erzogen, wie es eben jene Eltern haben wollen, denen selber jedes jüdische Ideal, als sie selbst noch Schüler des Philantropins waren, abhanden gekommen war, auch Eltern, die nicht das Glück besaßen durch diese Erziehungs- Stätte erzogen zu sein, werden das schöne Bewußtsein haben, daß wie verschiedenartig ihre jüdische Überzeugung auch sein möge, sie getrost ihre Kinder dem Philantropin anvertrauen können, denn hier wird alles, was sich irgend wie jüdisch nennt mit gleicher Hingabe und Sorgfalt gepflegt. Es ist Platz für Kinder von Rabbonim und Dajonim, Kinder von nur nationalen Juden, Kinder von solchen, die erst jetzt erfahren und erinnert wurden, daß sie auch Juden sind und denen jede Religion fremd ist. Zu dem Einen sagt der Religionslehrer: ״Du und Deine Eltern haben Recht“ und zu dem Anderen sagt er auch, ״Du und Deine Eltern haben Recht.“ Das nennt sich innere Einheit! Eine merkwürdige Richtschnur für jüdische Erziehung: Die Eltern, die selbst ihr Judentum nicht mehr kennen und nur das eine wissen, daß ihre Beziehungen zum Judentum einer gründlichen Revision bedürfen, sollen letzte Entscheidung geben. In der wesentlichsten Frage jüdischen Lebens, ״Was heißt Judentum?“ verzichtet die Schule auf Führung und überläßt sie jedem einzelnen Elternpaar. Alle individuellen Judentümer können sich auswirken, aber das objektive Judentum als solches ist heimatlos. Und doch ein gewisser Fortschritt! Der Verfasser des ״Merkblattes“ bekennt sich ausdrücklich zum rabbinischen Judentum, eben zu jenem rabbinischen Judentum, das der selige Oberlehrer Dr. Hess für den Gipfel barbarischer Unkultur erklärte. Freilich