Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 5-6 (Februar 1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 141 (sequence 31)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551397-2551401--1450-2552962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ui müsse mit der Kultur und Zeitgeist gleichen Schritt halten. Johl- 80tm hat dann weiterhin eine Sabbathandacht mit deutschen und hebräischen Gebeten, eine Vorlesung der Thora mit nachfolgender deutscher Übersetzung, im Philantropin eingeführt, nachdem vorher von Oberlehrer Hess lediglich an Sonntagen eine Andachtsstunde eingerichtet war. Der Zweck des Frankfurter Philantropins wurde den Frankfurter Behörden dahin definiert, daß es sich darum handele, die Kinder ״zur Säuberung unserer Religion“ zu erziehen. Herr Oberlehrer Hess ließ es sich nicht nehmen diese Säuberung unter anderem in der Weise zu vollziehen, daß die Kinder beispielsweise einmal an Pessach zum Genüsse belegter Brötchen eingeladen wurden. Nicht mit Unrecht weist Caesar Seligman darauf hin, daß aus diesem Philantropin die Reform hervorgegangen sei, die späterhin dem jüdischen Leben der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts ihre Signatur verliehen habe, nämlich die Reform des synagogalen Kultus. Im Philantropin wurde eine Generation jüdischer Menschen erzogen, die späterhin im Leben abstreiften, was man bewußtes oder selbstbewußtes Judentum nennen konnte, im Gegenteil man versuchte, (wie aus den allgemein bekannten Kampfesschriften eben dieses Oberlehrers Dr. Hess gegen die Gründung der S. R. Hirsch Realschule hervorgeht,) das Judentum so zurecht zu stutzen, daß man seinen Bekennern möglichst wenig von ihrer Eigenart anmerken konnte. Und nun sind 130 Jahre seit jener Gründung vorbei, die ganze Reformbewegung — in den letzten Jahrzehnten Liberalismus genannt —, welche durch das Philantropin Waffenträger und Machtmittel erhielt, ist für jeden Denkenden in Deutschland erledigt. Die Enkel und die Urenkel der Kämpfer für die Reform fühlen sich um ihr Judentum betrogen, sie sind seelisch heimatlos geworden, es wurde ihnen dasjenige geraubt, was sie allein befähigen konnte, dem schweren Gegenwartsgeschehen standzuhalten. In Scharen flüchten sie ins zionistische Lager, um wenigstens sich zur Judenheit, wenn auch nicht zum Judentum zu bekennen. Teile von ihnen suchen zaghaft einen Anschluß an jenes historische Judentum, zu dessen Abwehr und Bekämpfung das Philantropin gegründet wurde. Die Konsequenzen, die die jetzige Leitung des Philantropins, aus dieser auch von ihr nicht verkannten Lage zieht ist die, daß es die Phrase von ״bewußten und selbstbewußten Juden*