Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 5-6 (Februar 1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 125 (sequence 15)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2551369-2551397-2551401--1434-2552946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
125 so viel Unheil angerichtet, wie die Wortführer der Reform in ihrer Maienblüte. Ein Bericht des Rabbi Josef Jabez läßt dies mit Sicherheit vermuten. Das jüdische Volk, dem Sein und Denken 'הי und הגה, Leben und Forschen fast identische Begriffe sind, hat ein offenes Ohr für alles Geistige, hat einen ungeheueren Wissensdurst, der nicht Halt macht vor bestimmten Gebieten, und da müssen ihm kundige Wegweiser zur Seite stehen, damit es nicht in die Irre gehe und als Wissenschaft verehre, was kaam eine Meinung ist. Darum sehen wir in Spanien die Größen des Judentums in den Hallen der Wissenschaften, weil dort die Juden an dem Kulturleben ihres Wirtsvolkes teilhaben konnten, und begreifen einen Rabei Ascher (Rosch), der in dem damaligen Deutschland die Beschäftigung mit fremden Wissenschaften schroff ablehnt. Es gab kein wissenschaftlich-geistiges Leben in diesem dunkelsten Mittelalter, und hätte es auch welches gegeben, es wäre kein Schimmer von ihm bis in die dunklen Gäßchen der jüdischen Wohnstätten gedrungen, in denen allerdings trotz äußerer Finsternis das strahlende Licht jüdischer Wissenschaft hell leuchtete. Diese war aber auch die einzige Wissenschaft, und da war eine Beschäftigung mit fremden Wissenschaften unnötig. Diese Abschließung in Deutschland dauerte bis kurz vor der Emanzipation. In dieser Zeit wurde es im geistigen Deutschland lebendig und wir sehen, daß Geist sich nicht absperren läßt, denn dieses geistige Leben drang auch durch die Ghettomauern, und die bildungshungrigen Juden nahmen an diesem geistigen Aufstieg teil. Weil aber die berufenen geistigen Führer des Judentums sich dieser Bildung verschlossen, ging das Volk in die Irre und folgte Männern auch in Fragen des jüdischen Gesetzes, weil sie im Besitze nichtjüdischer Bildung waren. Es ist kaum begreiflich, wie die jüdischen Massen, die an sich immer einen richtigen Instinkt haben, in Fragen der jüdischen Halacha eher einem Abraham Geiger folgten als den גדולי התורה dieser Zeit. Die ganze Legitimation der Wortführer der Reform für ihren jüdischen Beruf war ihre nichtjüdische Bildung. So groß ist die Ehrfurcht der jüdischen Massen vor Wissenschaft. Und die Träger der Reform nützten diese Ehrfurcht für ihre Zwecke aus. In den Hallen der fremden Wissenschaften methodisch geschult, schufen sie auch eine Wissenschaft des Judentums und bemächtigten sich der Gebiete, die für die weltanschauliehe Seite des Judentums, die in solchen Zeiten des Zusammentreffens mit fremden Kulturen ganz besonders herausgearbeitet zu werden verdient, von überragender Bedeutung sind. Jüdische