Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 5-6 (Februar 1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 124 (sequence 14)
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124 schrieb dort: ״Die Bibel — und natürlich nur die Bibel — war ziemlich verbreitet, und da wollte Rambam der philosophischen Welt den Sinn der Bibel und die Bedeutung ihrer Gebote und den ganzen Weisheitsgehalt, sowie die hohe ethische Stufe der biblischen Welt klarmachen. Hätte er nun die talmudische Auslegung, die der ganzen nichtjüdischen Welt seiner Zeit gänzlich unbekannt war, zur Begründung der Gebote herangezogen, so wäre die nichtjüdische Welt stutzig und mißtrauisch geworden. Rein und ohne jegliche Umdeutung sollten die Bibelsätze erläutert und begründet werden, damit die Welt erkenne, daß göttlicher Geist aus den Gesetzen spricht und daß Gotteserkenntnis ihr höchstes Ziel und Menschenbeglückung ihr nächster Zweck ist“. Ich schrieb damals, daß dies blos eine Hypothese ist. Ich habe für diese Hypothese nur zwei klassische Zeugen gefunden. Der erste Zeuge ist der Rambam selbst. Im אגרת תשובת הרמב״ם ed. Brünn 40 b findet sich folgende Stelle: ״Ich wurde schon vor meiner Geburt der Thora und dem Talmud geweiht. Diese sind meine erste Liehe und die Sehnsucht meiner Jugend. Die Nebenbuhlerinnen, die ihr aus den fremden Wissensgebieten entstanden — Gott weiß, daß ich sie von vornherein nur als רקחות וטבחות genommen habe, um der Thora Schönheit und Lieblichkeit den Völkern zu zeigen44. Ich glaube, dieser Kronzeuge dürfte genügen. In der Einleitung zum Responsenwerk des חתם סופר wird auf einen starken Widerspruch zwischen Maureh und Mischneh-Thora aufmerksam gemacht. Am Schluß von ח׳ מעילה sagt Rambam, daß קדמות, die ganze Opfergesetzgebung zu den חקים gehöre, die wir nicht ergründen können, und im Maureh werden bekanntlich die קרבנות mit dem Satze ולא יזבחו עוד לשעירים begründet. Darum wird auch dort der Vermutung Ausdruck gegeben, daß der Maureh nur בעד חהמון geschrieben und veröffentlicht wurde. Aber die Begründung im אגרת erklärt uns, warum Rambam und seine zeitgenössischen Gesinnungsgenossen sich überhaupt mit den anderen Wissenschaften beschäftigten. Man konnte sich einfach dem nicht entziehen. Die Fragen der Religion wurden öffentlich diskutiert, die Philosophie lieferte die Argumente, und da mußte auch das Judentum Wortlührer haben, die es wissenschaftlich zu begründen verstanden. Es war dies nach außen, aber auch nach innen nötig. In einer geistig interessierten Atmosphäre, in einem gebildeten Milieu der nichtjüdischen Umwelt wäre es eine ungeheuere Gefahr gewesen, wenn sich die Berufenen aus dem Judentum der Bildung vollständig versagt hätten. Die Unberufenen hätten und haben auch vielleicht