Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 5-6 (Februar 1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 123 (sequence 13)
- Belongs to
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ganz falschen Voraussetzung ausgehen und daher auch zu falschen Schlüssen gelangen. Die Forderung von תורה עם דרך ארץ in Hirsch'- scher Prägung war keine neue Forderung. Das Problem ist nicht neu und die Lösung von Hirsch nicht originell. Die Frage ist uralt und die Antwort war niemals einheitlich, sondern stets umstritten. Wir werden in aller Kürze die historischen und psychologischen Wurzeln des Problems aufzudecken suchen, um den richtigen Blickpunkt zu finden, yon dem aus gesehen, uns erst die Bedeutung der Hirsch'schen Parole in ihrer wahren Größe und Tiefe verständlieh wird, denn sie ist doch anders als die früheren Lösungen, wenn sie auch an sich dasselbe sagt. Die Frage Thora und Wissenschaft hat schon die vornehmsten Geister des Judentums beschäftigt. Sie ist, historisch gesehen, immer dann und dort aktuell geworden, wenn und wo das Judentum mit der Kultur eines anderen Volkes in Berührung kam, d. h. wenn den Juden die Möglichkeit gegeben wurde, an dem Kulturleben eines anderen Volkes teilzunehmen. Es war dies zum ersten־ mal beim Zusammentreffen mit der Philosophie der Griechen in Alexandrien und später beim Zusammentreffen mit dem durch die griechische Philosophie befruchteten Geistesleben des Islams. In solcheu Perioden versuchten die jüdischen Denker, die Unberufenen und Berufenen, die weltanschauliche Seite des Judentums in den Vordergrund jüdischen Geisteslebens zu stellen, denn dies erfordert die Selbstbehauptung des Judentums. Die philosophischen Probleme wurden öffentlich diskutiert, und es ist begreiflich, daß die Juden, die an dem Kulturleben dieser Völker teilnehmen durften, ein leidenschaftliches Interesse an diesen Diskussionen nahmen, da sie ja die höchsten Belange der Menschheit betrafen, und es ist psychologisch begreiflich, daß die Wortführer des Judentums auch die Lehren des Judentums philosophisch begründen wollten, um dem Volke zu zeigen, daß das Judentum den anderen Religionen nicht nachstehe und auch jeder philosophischen Prüfung standhalte, und zweitens, um dies auch den nichtjüdischen Gelehrten und Philosophen mit allem Nachdruck zu beweisen Hier möchte ich in Parenthese daran erinnern, daß ich vor Jahren in dieser Zeitschrift (Jahrgang II, Heft 5/6) in meinem Aufsatz: ״Die Begründung der Gebote durch Rambam und S. R. Hirsch“ die Hypothese aufgestellt habe, daß der dritte Teil des Maureh mehr für nichtjüdische Philosophen als für nichtphilosophische Juden geschrieben wurde: ich habe so nur die Widersprüche zwischen Maureh und Mischneh Thora zu erklären versucht. Ich