Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 5-6 (Februar 1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 122 (sequence 12)
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122 nicht ihre ungefähre Beziehung zu den Stunden unserer Menschenzeit. Wir haben keinen Propheten und keinen Seher, der uns das Verhältnis von Menschenzeit zu Gotteszeit nach Stundenablauf deuten könnte. Wir wissen nicht, wie spät es ist in Gottes Zeit. Aber wir wissen, daß die Uhr unserer Menschenzeit und die Uhr der Gotteszeit ungefähr gleichgeschaltet sind, und daß der wandelnde Zeiger auf der Uhr unserer Menschenzeit die Erlösungsstunde der Gotteszeit heranbringt. Immer mehr offenbart die Geschichte der jüdischen Nation innerhalb der Menschenzeit ihren gotteszeitlichen Wesensgrund. Mit furchtbarem Zwang wird das Auge der jüdischen Nation auch innerhalb der Menschenzeit mehr und mehr nach dem Lande der Gotteszeit gerichtet. Und das Land der Gotteszeit — siehe, innerhalb der nämlichen Menschenzeit ersteht es zu neuem Leben. Ist die Stunde der Gotteszeit nahe? Warum also fragen? Genügt nicht am Ende unser sicheres Wissen, daß die uns umfangende Nacht unseres Galuth Gottes Nacht ist? Ist Rabbiner Hirsch זצ״ל schon überholt? Von Rabbiner Dr. Hermann Klein -Berlin. In der letzten Zeit mehren sich die Stimmen aus unseren Kreisen, die eine Revision und eine Überprüfung der bekannten Hirsch’schen Parole תורה עם דרך ארץ, die eine Beschäftigung mit allgemeiner Wissenschaft fordert, wünschen. Der Anlaß, wenigstens der äußere Anlaß, zu diesen Wünschen ist vielleicht die Tatsache, daß durch die politische Umwälzung in Deutschland es ohnehin den Juden fast unmöglich sein dürfte, an den Hochschulen zu studieren, und daher sollte man aus der Not eine Tugend machen und das ganze Studieren sein lassen. Die Parole תורה עם דרך ארץ war ja, so wird argumentiert, nur zeitbedingt, geboren aus der geistigen Not der damaligen Zeit, in der Hirsch und Hildeshe im er als Retter des orthodoxen Judentums auftraten, und daher auch zeitlich begrenzt. Die Verhältnisse haben sich geändert, die geistige Not jener Kampfzeit zwischen Reform und Orthodoxie ist überwunden, und daher besteht kein Anlaß mehr, an dieser Parole festzuhalten. Man soll daher nur תורה lernen und von Bildung nur das Allernotwendigste. So sehr ich auch die Beweggründe, die diesen Wünschen zugrunde liegen, schätze, 80 glaube ich doch, daß sie von einer