Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 5-6 (Februar 1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 120 (sequence 10)
- Belongs to
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120 die Erinnerungen an unserem Gemüt. Wissen wir denn, wieviele zagende Seelen auf uns warten? Sie sind zu keusch, als daß sie ihrer Sehnsucht Ausdruck verleihen könnten. Wir wollen sie verstehen, vielleicht an der Hand einer alten Deutung, welche besagt, daß Esther in der Thora selbst dort zu finden sei, wo dem äußeren Anschein nach schweres Leid vergebens nach Erlösung schreit, Mordechai hingegen dort, wo von den feinsten, zartesten Duftwellen die Eede ist, die getragen vom heiligen Feuer sich breiten. Wir wiederholen, die Thoratreue muß, die Thoratreue wird die zartesten Regungen jüdischer Seelen verstehen. P. K. ליל שמורים. Von Dr. Isaac Breuer. ״Eine Nacht vielfältiger Hut war sie für Gott, Jissraels Söhne vom Lande Mizrajim hinauszuführen.“ Diese Nacht des vierzehnten Nissan, nicht von Ohngefähr, nicht weil es sich gerade so traf, ist sie zur Nacht der Erlösung geworden. Auf sie war Gottes Vorsehung von Anbeginn gerichtet. Es hätte das geschichtliche Datum unseres Auszugs nicht ebenso gut anders lauten können. Keine frühere und keine spätere Nacht konnte auf ihren Schwingen dieses Ereignis heranführen. Nicht nur das Ereignis als solches stand in Gottes Ratschluß fest, daß etwa zu ihm hin zwar die Dinge sich entwickelten, die Nacht der Reife aber keineswegs von vornherein bestimmt war. Es war vielmehr der Entwicklung selber von Gott das Zeitmaß zugewiesen, und als die Zeit durchmessen war, standen auch die Dinge in der Zeit unmittelbar vor der Reife des Ereignisses. Nicht nur die Nacht selbst war als Nacht der Erlösung vorausbestimmt. Selbst die Stunde der Nacht war nicht das Ergebnis eines blinden Zufalls. Es hatte Gott die Mitte der Nacht für den Anbruch der Befreiung auserkoren. Noch bis zur Mitte der Nacht waren wir vollendete Sklaven. Erst die Mitte der Nacht zerbrach unsere Ketten. Die genaue, die haarscharfe Mitte, wie sie die Menschenzeit gar nicht herausstellen kann. בחצות und כחצות: das eine ist Menschenzeit, und das andere ist Gotteszeit. Wohl ist die Menschenzeit — vielleicht! — nur eine Anschauungsform unseres erkennenden Geistes. Das Verhältnis von בחצות und כחצות aber lehrt uns, daß Gottes geschichtliches Walten unsere Menschenzeit mit der Zeit