Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 5-6 (Februar 1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 119 (sequence 9)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2551369-2551397-2551401--1428-2552940- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
119 erstanden wäre, der Moses, der zum Volke sprach: (Ex. XII, 24) Wahret diese Norm für Euch und Eure Kinder in Ewigkeit. Fast 3500 Jahre hat es sich bisher bewährt. In unzähligen Variationen hat sich bisher das ägyptische Epos und das susanische Drama wiederholt, ob es Teile des jüdischen Volkes, wie in Susa, ob das ganze, wie in Ägypten, traf. Die Stetigkeit der Erinnerung gab allen stets Mut und sieghafte Kraft. Indessen hat diese Bewährung noch eine sehr ernste Seite. Allezeit, wenn im Laufe der geschiehtliehen Entwicklung Umwälzungen und Umstellungen erfolgen, ist für das jüdische Volk die Gefahr groß in Bezug auf seine innere Einstellung zu seiner Geschichte. Was aber geschah in Susa? Wie alte Kunde (Sabbat 88a) meldet, war es eine Wiederholung der Unterstellung alles Wollens unter das Diktat der Sinaistunde, eine Wiederholung des ergreifenden Augenblicks, in dem einst in Ägypten ein ganzes Volk in demütiger Haltung im Morgenrot seiner Freiheit sich au den Willen des Schöpfers band. Man sagt im allgemeinen, man wisse so wenig von der inneren Haltung der Juden während der langwähreuden ägyptischen Periode. Wenn wir aber bedenken, daß damals, als das erste Echo der Verheißung an sein Ohr drang, das Volk ״sich neigte und bückte“, und daß derselbe Akt sich wiederholte, als es, noch im Banne Pharaos, jene Bindung auf sich nahm, die aus dem Peßach Ägyptens ein Peßach aller Geschlechter machte, dann liegt die Seele unserer Ahnen klar vor uns, und es wundert uns gar nicht mehr, wenn die Erlösung in Susa mit dem Fasten Esthers begann und in einem Neuerlebnis der Sinaistnnde ausklang. Was aber, so fragt man, soll all dieses rückblickende Betrachten? Ist es an der Zeit, sich ihm müßig hinzugeben, und heischt der Augenblick nicht erlösende Tat? Vielleicht aber werden wir leichter verstanden, wenn wir daran erinnern, daß nach der Auffassung unserer Weisen 8. A. die endgültige Erlösung, welche in gleicher Weise Israel und die ganze Menschheit umfassen wird, sich in langsamer, allmählicher Weise entwickeln wird, daß also die großen Momente der Geschichte sich au dem Vorbild der Peßacherinneruugen orientieren werden. So vieles ist versucht worden, warum sollte eigentlich die Judenheit nicht einmal wieder auch den Weg zu gehen sich bereit erklären, welcher die gemeinsame Note von Susa und Egypten darstellt? Ist aber die Thoratreue auch bereit, die Verantwortung zu übernehmen? Von Purim bis Peßach, von Peßach bis Purim branden