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Nahalat tsevi · 1933-12-01 · Heft 3-4 (Dezember 1933) · p. Seite 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
IV (5694) 1933/34
Issue
Heft 3-4 (Dezember 1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 111 (sequence 65)
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111 Bücherfchau. Licht aus dem Westen von S. Schachnowitz, Frankfurt a. M., Hermon-Verlag, 408 Seiten. Ernst, sehr ernst mag die Lektüre dieses Buches manchen stimmen. Wir möchten es gar nicht glauben, daß es kaum 100 Jahre her ist, seitdem diese ragenden Gestalten durch unsere Mitte gezogen sind und daß es eine Kurzsichtigkeit sondergleichen verstanden habe, den Versuch zu machen, die Spuren des Wirkens solcher Menschen völlig zu tilgen. Froh, außerordentlich froh mag die Lektüre dieses Buches manchen stimmen, wenn man sich vor Augen führt, daß die deutsche Judenheit solche Menschen erzeugen konnte und daß die Mittelpunktsfigur in Frankfurt wurzelt und das Licht Frankfurts in die Welt hinaus trug. So viel zur Wiedergabe des Gesamteindruckes, welchen das Buch macht. Es ist so, als ob das Ghetto unmittelbar vor dem Zeitpunkt, in dem seine Mauern fielen, noch einmal sich in seinem vollen Glanz zeigen wollte. Es überkommt einen fast die Sehnsucht nach dieser Idylle, in welcher sich Menschen der großen Linie mit Menschen kleiner Interessen fanden, und allezeit fällt ein Abglanz vom Lichte der Großen auf die Kleinen. Vielleicht liegt in diesem Ausgleich überhaupt der Zauber des Ghettos. An seine Mauern pochte in der Zeit, in welche uns die Erzählung des Verfassers versetzt, sowohl die Erschütterung der großen Welt, der Ausgang des Siebenjährigen Krieges und die Umwälzung der französischen Revolution, die Kriege der napoleonischen Zeit und die H>dra der Reaktion, als auch die Zuckungen einer neuen Zeit innerhalb der Anschauungssphäre des Judentums. Es ist bekannt, daß Rabbi Moscheh Sofer aus Frankfurt am Main Führer der Menschen war, welche die heiligsten Güter der Vergangenheit in die Neuzeit hinüber zu retten sich bemühten. Vielleicht konnte nur ein Mann, der aus Frankfurt stammte, aus dem Frankfurt der heiligen Tradition und des ewig stolzen Selbstbewußtseins, einen solchen Versuch mit Erfolg unternehmen. Das ist der tiefe Kern des Buches, in welchem mit ganz besonderer Liebe und Hingabe die Gestalt des Lehrers von Rabbi Moscheh, des Rabbi Nathan Adler gezeichnet ist. In dieser Figur begegnen sich gleichfalls zwei Welten, die Welt des Wissens, eine uns fast unbegreiflieh scheinende Fülle des Wissens von jüdischem Schrifttum und die Welt des Ahnens der Zusammenhänge mit Himmel und Erde. Ueberhaupt ersteht das alte Frankfurt in seiner ganzen Innigkeit vor unseren Augen. Selbst die Leiden und Leidenschaften irrender Menschen.

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