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Nahalat tsevi · 1933-12-01 · Heft 3-4 (Dezember 1933) · p. Seite 93

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
IV (5694) 1933/34
Issue
Heft 3-4 (Dezember 1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 93 (sequence 47)
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93 fich weltanschaulich zu orientieren und zu fundieren. Wenn nun diefes Budi die negativen Vorzeichen gradezu in pofitive umkehrt, wenn es die prinzipielle Zuläfügkeit völkifch-felbftifcher Weltanfchauung ablehnt und als Zentrum hiftorifch-poliiifchen Denkens Gottkönig erkennt, wenn es anftelle fubjektiv-willkürlicher, weil von menfchlicher Zweckfetzung beherrfchter Gefchichlskonftruktionen ftellt objektive Gefchichte, die durch nur von Gott gefetzte Zwecke beherrfcht wird, wenn es das Gottesreich als Heimat der Menfchheit, den Gottesftaat als Heimat der Juden ausfpricht — dann iß das alles nicht neu. Die gottesftaatliche Betrachtungsweife der Gefchichte ift unbezweifelbar die klafüfche jüdifche. Aber fie verfteht fich heute nicht mehr von felbft. Das rechtfertigt den vorliegenden Verfuch. Einft war fie die natürliche geiftige Atmofphäre jüdifchen Gemeinfchaftslebens, felbft noch in Zerftreuung und Machtlofigkeit. Sie war es folange, als dem Juden die gottesvolkliche Lehre Lehre des Lebens war und damit gottesftaatliches Denken das felbftverftändliehe Orientierungsmittel in allen Lagen war. Wer das eingebüßt hat, dem wird das Judefein ein dorniges Problem, ein qualvolles Rätfel. Die Schar diefer problematifchen Juden reicht von der äu&erften Peripherie bis tief hinein in die Reihen der Orthodoxie und erftreckt fich über faft alle Länder. Fürwahr, ein unermeßliches Notftandsgebiet 1 Die Zeit fchreit nach Hilfe, fie fei groß oder klein. Da dürfte diefe weltanschauliche Orientierungsfkizze aus einunddreißig knappen Strichen vielleicht manchem willkommen fein, ihm die erften Fingerzeige zu geben zum hiftorifchen Sichwiederfinden und zur politischen Gefundung. Ihr Verftändnis fetzt noch einiges Grundfätzliche voraus. Die Lehrfätze jüdifcher Gefchichlsweisheit, welche jede Epoche nach ihrer Eigentümlichkeit deuten und charakterifieren, liegen nicht im Zusammenhang geordnet vor. Sie find zudem knapp, faft karg. Wer fie nicht für wert hält, fich meditierend in fie zu verfenken, dem muß gottesftaatliche Gefchichte verfchloffen bleiben. Jüdifche Studierregel fordert völlig unabgelenkte Hingabe an autoritative Gefchichtslehre 1. Der Jude, der jüdifche Gefchichte treibt, fetzt fich zu Füßen feiner Ahnen. Refpektü Gebrochene Strahlen läufchen graden Verlauf vor. Nur plaftifches, bewegliches Sehen kann die Täufchung durchfchauen und die Beugungsftelle entdecken. Reformieren bedeutet abbiegen. 1 Chag. 11 b.

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