Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 3-4 (Dezember 1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 75 (sequence 29)
- Belongs to
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75 die Brücke zwischen Menschentum und Judentum. Sie weckten Verständnis für die tiefe Tragik, für das ewige Leid des Menschentums als solchen, erläuterten die mannigfachen Versuche der Denker der Menschheit, den Weg zur Erlösung aufzufinden, und definierten schließlich das Judentum als die große Freiheitslehre, die den jüdischen Willen aus der Umklammerung der Welt der Begehrnisse rettet, ohne diese Welt preiszugeben, indem sie den begehrenden Willen in den Gott liebenden Willen zur Welt wandelt und an dieser Welt Taten geoffenbarter Liebeserkenntnis üben läßt. Es war oft nicht leicht, den jungen Menschen zu helfen, dergestalt sich in sich selbst zu versenken, um methodisehe Selbsterkenntnis und Selbsterwollnis zu erringen. Oft mußte man sich mit Vorwegnehmen des Ergebnisses begnügen, und nur bei den zu Führern Bestimmten bestand man auf Klarheit der Reproduktion. Das Mindestziel aber war stets: die Loslösung der jüdischen Menschen von der Verstandeswelt der Natur, von der Knechtschaft unter der Welt an sich, die Erweckung des Durstes nach Freiheit, die letzten Endes nichts ist, als Anteil an der Schöpferliebe Gottes. — Bei all diesen Lehrgängen war ihnen das Schrifttum Rabbiner Hirschs wertvollste Stütze. Sie forderten genaues Studium dieses Schrifttums, und sie gaben einführende Anweisungen hierzu. Sein weltgeöffneter und völlig auf der Thora des gesprochenen Worts ruhender Kommentar zu den Fünf Büchern, sein Menschentum und Judentum verknüpfender Kommentar zu den Psalmen: jeder künftige Führer hatte sich darüber auszuweisen, daß er dieses köstliche Gut der jüdischen Nation sich zu eigen gemacht und zum Aufbau der selbständigen Persönlichkeit verwandt hatte. Durch Rabbiner Hirsch hindurch mußten sie alle gehen. Und mit ihm — erst recht — zum Talmud. Alfred Roden und seinen Freunden war der Talmud das geltende Recht von Kenesseth Jißrael. Ihnen war das richtig geübte ״Lernen" der Welt an sich der vornehmste Weg zur Selbstbefreiung des Ich, zur Aufnahme des nationalen, Gottes Willen wollenden Willens in den Willen des Ich. Ihnen war das ״Lernen" der Welt an sich zugleich der geistige und der seelische Aufbau der Kultur des Gottesstaats. Gerade im ״Lernen" holten sie die Gegenstände und Verhältnisse der Welt an sich, nicht der gestrigen und nicht der morgigen, sondern der heutigen Welt an sich herbei, um sie als Jeruschalajim dem Zijaun