Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 3-4 (Dezember 1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 65 (sequence 19)
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M Hochziel bleibt, das zu erstreben durch keinerlei noch 80 wertvollen Formen gehemmt werden darf. Fär Rabbiner Hirsch war die Form wirksamstes Instrument zur gesteigerten Förderung des min-geborenen Inhalts, — wir, in unserer Mehrzahl verlernten das Instrument zu spielen — es wurde uns zur Hemmung. Die Form wurde uns nicht nur Schutz der תורה vor fremder Kultur, — sie wurde uns auch Schutz der fremden Kultur vor der תורה und verdrehte hiermit ihren Sinn. Ein derartiges Nebeneinander verträgt die תורה nicht. — Die fär uns starr gewordene Form zerbrach. Recht eindringlich wurden wir gelehrt, daß wir Juden am kulturellen Leben Deutschlands nur in sehr beschränktem Umfang teilzunehmen haben. Wir wurden gelehrt, daß wir die deutsche Form des orthodoxen Judentums, wie wir sie in den vergangenen Jahrzehnten gewohnt waren, einer gründlichen Revision unterziehen müssen. Seit Kriegsende bäumte sich bereits die orthodox-jüdische Jugend gegen die erstarrten Formen mit ihrer satten bürgerlichen Philisterhaftigkeit auf — das vergangene Jahr hat selbst dem eingefleischtesten Philister gezeigt, daß diese Formen in ihrer seitherigen Eigenart wohl der Vergangenheit angehören werden. Die deutsche Orthodoxie muß sich neue Formen schaffen, neue Formen suchen. Ein Teil wird wohl an der Richtigkeit der These, daß das heutige Leben schon tür die תורה gewonnen werden kann, zweifeln, und innerlichen Anschluß an die Thora-Zentren des Ostens suchen unter bewußter Verzichtleistung anf das Getriebe des modernen Lebens, von dem die großen Enttäuschungen ausgegangen waren. Für diesen Teil ist die Frage der neuen Formen in gewissem Sinne bereits gelöst. Anders für den weitaus größten Teil, der diese Entsagung auf das Leben nicht mitmacht. Hier entsteht nun die langsame Tendenz, das moderne Leben weiterhin zu bejahen, für die Formen der Geistesrichtung aber Anleihen bei dem zionistisch-nationalistisehen Geistesgebiet zu machen, um auch ohne das deutsche Kulturgut, das uns entzogen wird, auszukommen. Es entsteht hier die Gefahr, daß wir aus Verzweiflung darüber, daß uns der Weg zum Leben über die deutsche Kultur versperrt ist, diesen Weg über eine Kultur zu suchen, die sich als jüdisch geriert — ohne es zn sein. Rabbiner Hirsch hatte den Nachweis geführt, daß Thora und modernes Leben keine Gegensätze zu sein brauchen, daß man vielmehr selbst ein sogenanntes modernes Leben der תורה weihen könne und müsse. Er hat darüber hinaus gezeigt, daß selbst die hochentwickelte deutsche Kultur Instrument der