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Nahalat tsevi · 1933-12-01 · Heft 3-4 (Dezember 1933) · p. Seite 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
IV (5694) 1933/34
Issue
Heft 3-4 (Dezember 1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 55 (sequence 9)
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55 Werk. Und wenn in den kommenden Jahrhunderten die aufreizende Vorstellung dieses grausigen Todes zur Ueberschwemmung der Erde mit einem Meere von jüdischem Blut und jüdisehen Tränen führte, während Rom frei ausging!, so beweist dieses Unrecht nur, dah Israel, wie so oft, so auch hier, für die Sünden anderer bluten, für die Schuld seines eigenen Erbfeindes büfjen muhte. Es ist ein uralter jüdischer Gedanke, dah es keinen Mensehen gibt, der imstande wäre, den Wert seines eigenen Lebens und dessen Wirkung für die Folgezeit zu beurteilen. Wir alle, die Größten und die Kleinsten, sind Werkzeuge in Gottes Hand. Vielleicht die wunderbarste Bestätigung! dieses Gedankens bietet uns die Entstehungsgeschichte des Christentums. Hat sein Stifter bis zu seinem Tode nur die Befreiung und Erlösung! Judäas vor Augen gehabt, so haben seine Nachfolger dafür gesorgt, dah die jüdischen Ideen, die ihr Meister verkündete, die ganze Weltkulturauf eine neue Basis stellten. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, hier im einzelnen zu schildem, wie sie das fertig gebracht haben. Bloh die wichtigste Tat- Sache sei hervorgehoben, dah der alte jüdische Glaube in der Hand der Apostel, insbesondere des Genialsten unter ihnen, Paulus, eine tiefgreifende Umgestaltung, Abschleifung und Anähnelung an das Heidentum erfahren muhte, ehe er seinen Siegeszug durch Länder und Völker antreten konnte. Wohl war es nicht mehr das alte Judentum mit dem ganzen Reichtum seines Inhalts, das hier gelehrt wurde, immerhin, auch die vereinzelten Blüten vom Baume des Judentums genügten, um die morsche, lebensmüde, heidnische Welt vor dem völligen Untergang zu retten, um verzweifelte Gemüter noch einmal mit dem Glauben an den Anbruch eines Weltfrühlings zu erfüllen. Wir mühten es verstehen, uns in die Zustände und Stimmungen der damaligen römischen Welt völlig einzufühlen, um ermessen zu können, wie revolutionierend es auf die Menschen jener Zeit gewirkt haben muh, als s1e gewahrten, wie da in langsamem, aber sicherem Prozeh d|e Weltkultur mit jüdischem Geiste sich durchsetzte, als sie den Geist des Judentums über die Brücke des Christentums wie einen Eroberer auf sich zukommen sahen. Man muh den Gegensatz zwischen antiker und christlicher Weltanschauung verstehen, um den Einfluh des

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