Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 3-4 (Dezember 1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 53 (sequence 7)
- Belongs to
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55 auch Leute fanden, die sich auf dieses noble Kaufgeschäft auch eingelassen haben. Auch zur Zeit des Pontius Pilatus war es ein Sadduzäer, namens Joseph Kaiphas, der das Amt des Hohepriesters bekleidete. Diese traurigen religiösen Verhältnisse trugen neben den politischen Zuständen wesentlich dazu bei, um in weiten Kreisen der jüdischen Nation einen brennenden Wunsch nach Besserung und Gesundung, eine krampfhafte Sehnsucht nach dem Messias zu erzeugen. Fand sich nun ein Mann, der, ausgestattet mit allen Eigenschaften eines Volksführers, getragen von der messianischen Stimmung der Zeit, die Gunst des Augenblicks zu nützen wufjte und es verstand, das erlösende Wort zu sprechen und die erlösende Tat, wenn auch nicht zu vollbringen, aber doch phantastisch und bildkräftig an die Wand zu malen, so muffte er ein leichtes Spiel haben, wenigstens einen kleinen Kreis von Schwärmern und Gläubigen um sich zu sammeln und sich selbst als den providentiellen Messias, als den von Gott selbst gesandten Erloser und Befreier eines nach Erlösung und Befreiung schmachtenden Volkes zu proklamieren. Ein solcher Mann fand sich in der Tat in einem kleinen Städtchen, in Nieder-Galiläa, südlich von Sepphoris —: es war der Stifter des Christentums. II. Wir Juden dürfen uns nicht berufen fühlen, die rätselhaften Vorgänge jener Zeit im einzelnen darzustellen oder gar darüber ein kritisches Urteil abzugeben. Wir dürfen niemals vergessen, dal} diese Vorgänge unseren christlichen Mitbürgern ein unantastbares Heiligtum bedeuten. Schon aus Gründen des Taktes müssen wir darum hier die größte Vorsicht walten lassen. Die gleiche Toleranz, die wir von unseren christlichen Mitbürgern für unseren Glauben verlangen, müssen wir auch dem ihrigen entgegenbringen. Natürlich braucht uns dieser Takt nicht zu hindern, der Wahrheit, wie wir sie verstehen, die Ehre zu geben und ohne weiteres zu behaupten, dafy im Sinne unseres Glaubens die weltgeschichtliche Mission des Christentums darin besteht, die Weitkultur mit jüdischem Geiste, mit jüdischen Gedanken zu durchdringen. Um diese Behauptung! zu rechtfertigen, dazu genügt es vollkommen, wenn wir uns aus der Geschichte der Entstehung des Christentums nur die wichtigsten, grundlegendsten Tatsachen vergegenwärtigen. Wir haben hier zwei Dinge scharf auseinanderzuhalten: Das