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Nahalat tsevi · 1933-12-01 · Heft 3-4 (Dezember 1933) · p. Seite 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
IV (5694) 1933/34
Issue
Heft 3-4 (Dezember 1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 51 (sequence 5)
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51 die Kosten einer Wasserleitung zu bestreiten, die Jerusalem mit einer 36 km entfernten Quelle verbinden sollte. Man mufj schon wissen, wie tief sitzend in jüdischen Gemütern die Scheu vor abgöttischen Bildnissen ist, — eine Scheu, die ja noch heute aus den jüdischen Gotteshäusern jede Abbildung verdrängt —, man muf5 schon die Weihe und Heiligkeit aller Einrichtungen kennen, die mit dem jüdischen Tempeldienste Zusammenhängen, um die furchtbaren Wirkungen dieser behördlichen Maßnahmen ermessen zu können. Die wilde Erregung:, welche die Anordnungen des Pilatus erzeugten, sie hat welthistorische Bedeutung, denn sie wurde der Ausgangspunkt einer religiösen Sektenbildung, die weiterhin — wie wir noch sehen werden — für die ganze Weltkultur von weitgehendster Bedeutung werden sollte. Wir müssen uns zum Verständnis dieser Entwicklung in die Seele des jüdischen Volkes jener Zeit hineinversetzen. Wir dürfen nicht vergessen, dalj die Juden sich damals als eine Nation mit allen Ansprüchen auf nationale Selbständigkeit, auf nationales Eigenleben, empfanden. Je größer der römische Druck wurde, je meisterhafter es Pilatus verstand, die Revolution in Judäa mit allen Mitteln einer Schrekkensherrschaft zu bekämpfen, desto leidenschaftlicher mufjte im Innern des Volkes die Sehnsucht nach einer besseren Zukunft erwachen, desto heiler mufjte das Volk die Verwirklichung all jener prophetischen Weissagungen herbeiwünschen, wonach einmal der Tag kommen werde, da Israel wieder unter dem Zepter des davidischen Königshauses ein Leben der Freiheit und Selbständigkeit leben werde. Die Tyrannei des Pilatus führte zu einer unerhörten Steigerung der messi an i sehen Sehnsucht. Je dunkler die Gegenwart war, desto heller war die Zukunft, von der man träumte, desto inbrünstiger wurde das baldige Kommen des Messias erfleht. Schwer ist es für trockene, nüchterne Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, sich in die messianische Stimmung jener Zeit zurückzufühlen. Es ist schwer, doch nicht unmöglich. Denn etwas Aehnliches hat sich ja später nicht blofj im 17. Jahrhundert wiederholt, als ebenfalls unter dem Eindruck von allerhand politischen Drangsalen messianische Träume die Köpfe benebelten, etwas Aehnliches — allerdings in etwas modernisierter Form — erleben wir ja auch in unseren Tagen. Haben denn nicht auch die furchtbaren Zeiten des Weltkrieges messianische Stimmungen erzeugt? Ist denn der ewige Friede, den die heutige Menschheit

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