Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 47 (sequence 49)
- Belongs to
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47 und von keinem die Bedingung gestellt werden könnte, es soll der Religionsunterricht, wie man das so gerne nennt, neutralisiert werden, denn es dürfte wohl niemanden geben, der darin nicht den Weg zu einer Gesinnungsverarmung, (um uns ganz milde auszudrücken) der kommenden Generation erkennen muß. Diese Erwartung soll doppelt unterstrichen werden in Bezug auf bereits bestehende Schulen. Wenn solche Kreise, die bisher aus dem oder jenem Grund es vorgezogen haben, ihre Kinder in nichtjüdische Schulen zu schikken, nunmehr unter dem Drucke des Augenblicks ihre Kinder den jüdischen Schulen anvertrauen, so mögen sie doch überzeugt sein, daß es denselben gar nichts schadet, einmal das Judentum gründlich kennen zu lernen. Da bisher fast nur die Orthodoxie den enormen erzieherischen Wert der konfessionellen Schulen erkannte und dieser Erkenntnis durch die Tat i. e. durch die Gründung und Unterhaltung von Volksschulen eine Folge gegeben hat, so ist es nicht angängig, diese dadurch in gewisse Konflikte zu bringen, daß man ihnen zumutet, nunmehr einen doppelten Religionsunterricht einzuführen. Wir sind überzeugt, daß jede orthodoxe Trägerin eines Schulwerkes diese Zumutung zurückweisen muß. Man sollte ferner nicht übersehen, daß ein derartiges Verlangen den ersten und nicht zurückzunehmenden Schritt zur Anerkenntnis einer doppelten Konfession innerhalb der Judenheit bedeuten wurde Eine Tatsache, die bisher gerade von sogenannter liberaler Seite aufs heftigste bekämpft wurde. Es gibt eben Grenzen, in denen selbst heute der Einfluß der wirtschaftlichen Erwägungen Halt machen muß. Wir verkennen nicht, daß bisweilen durch Angliedernng der Kinder in einem konservativ gehaltenen Religions - Unterricht manche nach den Prinzipien der Neologie geführten Häuser in das Bewußtsein eines Risses zwischen Schule und Haus gedrängt werden. Aber diese Kreise hätten sich eben zu entscheiden, ob sie wirklich ihre bisherigen Grundanschauungen, eine reinrassemnäßige Auffassung der Judenheit, auch heute noch aufrecht erhalten wollen. Jedenfalls hat die Zentralstelle als Treuhänder sich von jedem Versuch einer derartigen Einflußnahme fernzuhalten. Das gilt im gleichen Maße von den Subventionen für Gemeinden und Vereine. Es sollte undenkbar sein, daß jetzt eine Attacke gegen die sogenannten ״Separatisten״ geritten wird. Wir sind überzeugt, daß dieser Mißbrauch sicher nicht im Sinne der selbstlosen Geber und Spender gelegen wäre. Man hat den Organisationen der selbständigen Orthodoxie Deutschlands den Vorwurf ge-