Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 48 (sequence 50)
- Belongs to
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45 macht, daß sie durch ihr Fern־ bleiben von der sogenannten Reichsvertretung der J u - den Deutschlands, die Einheit der deutschen Judenheit störe. Dieser Vorwurf ist nicht ganz gerechtfertigt. Die selbständige Orthodoxie hatte keine Gelegenheit zu erklären, daß sie an der Reichsvertretung nicht teilnehmen will, da sie nicht dazu aufgefordert wurde. Die nichtorthodoxen Schöpfer der sog. zweiten Reichs- Vertretung meinen den gesetzestreuen Juden Deutschlands genügend Vertretung gesichert zu haben, wenn sie einen konservativen Vertreter nominirten, dessen Orthodoxie dadurch kompensiert ist, daß er gleichzeitig Zionist ist, also gewiß kein Vertreter der selbständigen Orthodoxie. Aber auch die Einheit der deutschen Judenheit wird durch die Nichtanteilnahme der deutschen Reichs- Vertretung nicht gestört, denn diese Einheit scheint nur darin zu bestehen, daß sämtliche in der Reichsvertretung vertretenen Parteien — uneinig sind u. sieh gegenseitig befehden. Der Zionistenführer hat eine lebhafte Attacke gegen die Liberalen eröffnet, die von diesen entsprechend beantwollet wird. Zwischen C. V. und R. J. F. herrscht keineswegs ideale Harmonie; dem liberalen Herrn Woyda ist es gelungen, eine Anzahl Unterschritten zu einem ״Bunde für die Erneuerung der deutschen Juden״ zusammenzubringen und zwar in freundnachbar schaft lieh er Beziehung zu den nationaldeutschen Juden Naumannscher Observanz. Wenn die Orthodoxie sich von diesem Hexenkessel fern hält, so hat sie damit wahrlich nicht erst die Einheit der deutschen Judenheit gestört, hat vielmehr für die weitere Entwicklung der Dinge sich das Recht zum selbständigen Vorgehen erworben. Es wäre freilich jetzt der gegebene Augenblick, um dieOrthod oxie zur einmütigen selbständigen Zusainmenfassung aller ihrer Kräfte zu veranlassen. Briefkasten. M. L. in H. Sie wundern sich über die agudistischen Mitarbeiter des vomieren Hajessod subventionierten ״Haked“ in Jerusalem. Sie irren sich; weder Herr Oberrabbiner Duschinsky, noch Dr. Moses Auerbach, oder Dr. Isaac Breuer haben je für den ״Hahed“ geschrieben, wohl aber hat. dieser ohne Quellenangabe durch den Abdruck von Artikeln aus ״Kol Jisroel“, ״Israelit“ und dem ״Judenproblem“ diesen Eindruck erweckt! R. G. in M. Seitdem die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ zweimal wöcbentlieh erscheint, hat sie öfters Gelegenheit, in unfreiwilliger Kouiik die Lücke ihrer hebräischen Kenntnisse zu demonstrieren. Daß sie zur Amtseinführung des Dr. Gottschalk ihm statt des üblichen ברוך הבא den Segensruf ״jejascher kauach“ zuruft, ist an und für sich harmlos. Charakteristischer ist schon, daß sie in Nr. 22 in einem Artikel, der zu den Vorgängen in Erez Jisroel Stellung nimmt, sich nicht nur zu der Behauptung versteigt, ״das Judentum dürfe kein Land haben, weil es Geist ist“, sondern in wahrhaft liberaler Weise das dawidische Wort ״ באורך נראה אורin diesem Licht nur schauen wir Licht“ übersetzt. Die Zeitung ist übrigens das Organ einer Vereinigung, die am 2. Oktober dieses Jahres in richtiger Erkenntnis der Situation angesichts der ihr drohenden Lebensgefahr שנוי שם vornahm. Sie heißt heute nicht mehr ״liberale Partei“, sondern ״religiös-liberale Partei“. Es hat sich aber trotz des neuen Namens nichts geändert! Redaktionsschluss der nächsten Nummer 11. Teweth 5694/29. Dez. 1933.