Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 29 (sequence 31)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2551369-2551397-2551399--1328-2552838- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
29 IV. Da alle diefe Dinge noch im Werden find, läßt (ich ein Urieil über die Folgen diefer vom Reichsjugendführer geforderten Gruppierung noch nicht fällen. Es ift nicht einmal abzufehen, inwieweit in mehr als organifaiorifchcr Hinfichi das Führerprinzip (ich überhaupt auf die Jugendorganifationen wird anwenden laffen. Die Vorftellung nämlich, es könne auch hier in Notzeiten nur ein ftarker Mann den richtigen Weg finden, mindert die eigene Verantwortung. Die Idee des ״Führers״ fleht im umgekehrten Verhältnis zum Kraftgefühl der Gemeinfchaft, die dielen Führer fordert. Die Jugendbewegung hat bei ihrem Entliehen durch die Meißner- Formel ftark das eigene Verantwortungsgefühl betont, das Sich- Rechenfchaft - Geben - Müffen zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit gemacht. Es wäre feltfam, wenn diefe eigene Verantwortung fchwinden würde angefichls der heute vorhandenen politifchen Notwendigkeiten. Rückfchauend aber läßt an einer grundfätzlichen Frage in allen Richtungen der bündifchen Jugend ein ungeheurer Fortfehritt (ich feftftellen gegenüber dem Ausgangspunkt, ein Fortfehritt, der vor allem jeden thoraireuen Juden die Jugendbewegung bejahen laffen follte. Nicht die zunehmende Konkretifierung bezeichnet den Wert diefer Fortentwicklung, fondern die veränderte Einftellung gegenüber dem Generationen-Problem. Die Jugendbewegung war zunächfi nur Oppofition, dann erft fchuf lie fich ihren Inhali. Heute hat fie erkannt, daß eine gewiffe Spannung zwifchen ״Vätern und Söhnen״ wohl immer beftand, aber es braucht durchaus nicht fo zu fein, als ob die beiden in fremden Sprachen redeten. Der unfertige Menfch, der den reifen nicht verlieht, proiefiiert nicht dagegen. Er begreift wohl manches nicht, aber er lehnt lieh nicht gleich dagegen auf. Er beruft (ich heute nicht mehr auf feine Jugend und bezeichnet unter ihrem Deckmantel nicht jeden rednerifchen und fchrififiellerifchen Erguß als ein ״Bekenntnis". Denn er weiß, ein Bekenntnis verlangt Wiffen; die Bildung allein macht es noch nicht. Ein Bekenntnis verlangt befonders heute Arbeit und immer wieder Arbeit. Wo früher die pathetifche Gebärde lockte, da verbreitet (ich heute demütiges Schweigen. Diefer Bereilfchaft der Jugend, vom Alter zu lernen, darf auch die reifere Generation fidi nicht verfchließen. Denn dann erft haben beide, Jugend und Alter, ihre finnvolle Aufgabe gelöft׳