Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Belongs to
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17 Selbst die Arbeit des Schinders, der dem gefallenen Tier die Haut abzieht, ist nicht zu verachten, schändend ist nur der Müßiggang! ״Es ist leider eine unnatürliche und darum falsche und unsoziale wirtschaftspolitische Einstellung, wenn die handwerkliche Arbeit in großen Teilen des jüdischen Volkes nicht genügend geachtet, wenn nicht direkt verachtet wird. Nur zum geringen Teil ist dieses bedingt durch die jahrhundertlange, gewaltsame Fernhaltung der Juden von dieser Arbeit. ״Liebe die Arbeit״ das heißt vor allem, daß der Mensch eine innere Befriedigung von ihr haben soll. Der Müßiggang bringt den Menschen entweder zur Zerrüttung des seelischen Lebens oder zur rauschenden Vergnügungssucht, zum unsittlichen Lebenswandel. Beides sind Erscheinungen, die wir bei den heutigen Arbeitslosen wahrnehmen, und in denen eben die Gefahr der Arbeitslosigkeit liegt. Durch die Arbeit soll der Mensch vor beidem geschützt werden. Darum sagt König David יגיע כפיך כי תאכל אשריך וטוב לך ״Genießest Du die Früchte Deiner Hände, dann Heil Dir und Dir ist wohl“. Unsere חכמים fügen hinzu: ״Heil Dir auf dieser Welt und Dir ist wohl auf jener Welt“. Auf dieser Welt wirst Du alles genießen, Du wirst durch Müßiggang seelisch nicht zerrüttet werden, so daß Du alles mit Befriedigung genießen kannst, aber die Arbeit wird Dich auch vor Laster, Sünden und Begierde schützen, so daß Du ein ewiges Heil haben wirst. B. Die Wirtschaftsordnung. I. Entwicklung der Wirtschaft. Seitdem die Menschheit sich vermehrte, insbesondere seitdem aus der engen Hauswirtschaft, die alles Nötige selber herstellte, eine Volkswirtschaft wurde, in der die Herstellung der Güter sich rationell verteilt hat, kam die Notwendigkeit auf, Hilfskräfte für die Arbeit anzustellen. Die Hilfskraft erhält für die Arbeit einen Entgelt, und den darüber hinaus erzielten Überschuß ihrer Arbeitsleistuug erhält der Arbeitgeber. Das sittliche Recht hierzu ist im Privatkapitalismus verankert. Im Altertum, ja bis in die moderne Zeit hinein, wurde die Hilfskraft als Sachwert behandelt, man kaufte und verkaufte sie wie einen anderen technischen Gegenstand. Der Sklave war in der antiken Zeit, um mit Spengler (Untergang des Abendlandes 2. Teil), zu sprechen: ״Eine Saghe, die andere Sachen hervorbrachte. Für den heutigen Menschen aber sind Personen nicht Körper, sondern Einheiten der Kraft und des Willens,