Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Belongs to
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12 verschiedentlich auf abweichende Meinungen gestoßen. Es ist dies umso weniger zu verwundern, als diese Erklärung von derjenigen, die seit S. R. Hirsch landläufig ist, wesentlich abrückt. Die Frage ist jedoch von so allgemeiner Bedeutung, daß sie es verdient, nochmals einer genaueren Untersuchung vor der Öffentlichkeit unterzogen zu werden. * * * Nach Rabb. Hirsch bedeutet ״ :ברוך אתהGesegnet seist du, d. h. deinen Willen zu erfüllen gelobe ich“. Im Horeb § 623 wird genauer erläutert: ברךמ heißt sowohl in קלals ^D-Form: segnen, d. h. nach hebräischem Sprachgebrauch, der einen Gegenstand einer Bestimmung in Tat zuwenden oder in Wort beilegen gleich ausdrückt: irgend einem Wesen in Wirklichkeit Gedeihen bringen oder ihm Gedeihen in Wort zusprechen, also die Angelegenheit eines Andern fördern, oder aussprechen, daß sie gefördert werden solle. So von Gott gegen Geschöpfe oder von Menschen gegen Menschen. Von Menschen gegen Gott heißt es wiederum nichts anderes als: segnen, d. h. entweder den von Gott zur freien Förderung gesetzten Zweck, das von Ihm gewollte Gute, durch Tat fördern Seinen Willen erfüllen; oder ihm diese Förderung in Wort zusprechen Seinen Willen zu erfüllen sich vorsetzen. Überall, wo du demnach zu Gott: ברוך אתה וכף, gesegnet seist du u. s. w. aussprichst, sagst du alle Kräfte deines Wesens der Erfüllung göttlichen Willens, dem Gottesdienste der Tat zu.“ In dieser Sinngebung erscheint Gott tatsächlich als das Objekt unseres Segens und der Ausdruck ברוך אתה ist entsprechend in passivem Sinne zu begreifen, Gott werde von uns Menschen ״ge־ segnet״. Ausgehend von dieser Auffassung ist der Versuch unternommen worden, ein System der jüdischen Ethik im Geiste dieser Erkenntnis zu entwickeln und auszubauen (Jacob Rosenheim, s. Ausgewählte Aufsätze u. Ansprachen I, S. 29 ff.). Allein es ist nicht nur die kühne Konzeption, die im Gedanken einer von Menschen ausgehenden Segnung Gottes liegt, welche die obige Deutung als problematisch erscheinen läßt. Denn obgleich die Talmudstelle Ber. 7a: ישמעאל בני ברבני eine solche Aufforderung an den Menschen geradezu zu beinhalten scheint, so lehrt doch gerade der Inhalt des dort ausgesprochenen Segens, daß der Segen selbst keineswegs in des Menschen treuem Gehorsam oder in seinen Gottes Zwecke fördernden Taten gelegen ist, sondem ganz ausschließlich in der von Gott ausgehenden segensreichen