Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Belongs to
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5 mung des jüdischen Volks, Volk des Gottesstaats zu sein, ist die Bestimmung des jüdischen Landes als Land des Gottesstaats. Zum Lande des Gottesstaats führt der Weg. Ein Irrweg ist daher jeder Weg, an dessen Ziel nicht das Land des Gottesstaats winkt. Und weil es das Land des Gottesstaats ist, kann der Weg dahin nicht ohne die Thora oder gar gegen die Thora, sondern nur mit der Thora gegangen und nur aus der Thora innegehalten werden. Es ist nicht die Thora an sich, sondern die Thora des Gottesstaats, die uns an vertraut ist. Die Thora des Gottesstaats: das ist die Geschichte gewordene Thora. Das ist die Thora, die uns ״zum Gottesstaat trug, aus dem Gottesstaat trieb und zum Gottesstaat der Zukunft geleitet. תורה עם דרך ארץ ישראל: das ist unser Weg! Die Thora, in Beziehung gesetzt zu dem Weg, der uns ins Land des Gottesstaats führt, ist die Thora des Gottesstaats, die Gemeinschaft bildende, die Wirtschaft ordnende, die Recht setzende, die herrschende Thora. Die Glieder des jüdischen Volks, die auf diesem Wege, dem einzig richtigen, sich bewegen, sind die Untertanen des Gottesstaats der Zukunft, wandernd auch wenn sie längst im Lande sind, zielgewiß auch fern vom Lande. Zielgewiß wandern wir unseren Weg, bis der Gesalbte hervortritt. Es ist der alte Weg. Aber in langen Jahrhunderten mußten wir ihn in tiefster Finsternis tappen. In langen Jahrhunderten war uns jedwede Sicht genommen, leitete uns einzig der Kompaß der Thora, stärkte uns einzig das Vertrauen zur Wahrheit der Thora, ohne daß wir auch nur die leiseste Beziehung zwischen der thorageleiteten Richtung unseres wandernden Fußes und dem verheißenen Hochziel erspähen konnten. Die soziale Emanzipation vor hundert Jahren ist von Rabbiner Hirsch als erster Durchbruch des Lichts begrüßt worden, das auf den zielgerichteten Weg fiel, den uns bislang der Kompaß der Thora allein hatte gehen lassen. Sie war ihm ein Zeichen, daß Gott uns gewürdigt hatte, ins zweite Stadium des geweissagten Galuth zu treten, ins Zeichen des Bundes Jizchak. In ungeheuerer Klarheit hat er den messianischen Charakter der sozialen Emanzipation erfaßt. Ihm war sie Gottes Anfrage, Gottes Probe, ob wir, als Vorbereitung unserer verheißenen Zukunft, die Vielgestaltigkeit des von tausend Hemmungen befreiten Lebens an die Thora heranzubringen und ihrer Alleinherrschaft unterzuordnen vermögen. Noch war es der Weg, der mitten durchs Land des Wirtsvolkes führte — תורד. עם דרך ארץ —, aber münden sollte er, wie oft hat es der große Mann in jubelnder Hoffnung, in zürnender Anklage,