Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551397-2551399--1301-2552811- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2 wissen als der Antisemitismus, haben ihren Kindern nichts zu bieten. Das Witzwort, das den jüdischen Vater sich bei seinem Sohne entschuldigen läßt, weil er nicht im Weltkriege als Held gefallen und damit den Weg ins Leben ihm erleichtert habe, hat für den liberalen Vater einen tieferen Sinn. Er müßte sich eigentlieh bei ihm entschuldigen, daß er ihn überhaupt in die Welt als Jude gesetzt habe, ohne ihm sagen zu können, wozu und wohin. Oft genug begeht der liberale Vater den Todessprung ins zionistische Lager. Daß dieser Sprung im Nu vollziehbar ist, spricht wiederum nicht für, sondern gegen die zionistische Theorie. Aber auch die Orthodoxie, der das Judesein stets eine göttliehe Lebensbestimmung war, darf sich nicht damit begnügen, sich in den wärmenden Pelz ihres religiösen Glaubens zu hüllen und lediglich wirtschaftliche Erwägungen anzustellen. Eine schlimme Selbsttäuschung wäre es, wenn sie sich der Pflicht enthoben wähnte, den besonderen Sinn der göttlichen Lebensbestimmung, der in dem deutschen Erlebnis zum Ausdruck kommt, in Klarheit herauszuarbeiten und die Erziehung der eigenen Jugend entsprechend umzugestalten. Auch den liberalen Juden gegenüber wird sie sich nicht darauf beschränken dürfen, sich dem Gefühl einer durch die Erfahrung bestätigten Selbstgerechtigkeit hinzugeben. Auf der Orthodoxie lastet die volle Verantwortung auch für die liberalen Juden. An ihr ist es, sie zu trösten, sie aufzurichten, sie mit liebender Geduld auf den Weg zu bringen, den Gott von allen Juden beschritten wissen will. Dieser Weg ist kein neuer. Es ist der alte Weg, den das jüdische Volk zu gehen hat und geht, seit es in die Geschichte eingetreten ist. Neu ist nur, was links und rechts vom Weg sich erhebt. Neu ist nur die Bewußtheit, mit der der alte Weg von uns einzuschlagen ist. Das jüdische Volk ist das Volk des Gottesstaates. Der Gottes- Staat war das Ziel, das dem ersten Juden der Geschichte verheißen wurde. Der Weg des ersten wandernden Juden der Geschichte war der Weg zum Gottesstaat. Der Weg des jüdischen Volkes im Galuth ist genau der gleiche. Es ist der Weg vom Gottesstaat der Vergangenheit zum Gottesstaat der Zukunft. Der Weg des jüdischen Liberalismus war ein Irrweg. Denn er führte vom Gottesstaat der Vergangenheit zur — Selbstauflösung. Der Weg des Zionismus ist ein Irrweg. Denn er führt vom Gottes- Staat der Vergangenheit zum gottfremden Nationalstaat der Zukunft. Unverrückbar ist und bleibt das Ziel. Ewig, wie die Bestim-