Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- – (sequence 3)
- Belongs to
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Unser Weg. Von Dr. Isaac Breuer. Das schwere Schicksal, das über die deutschen Juden hereingebrochen ist, äußert sich nicht nur in der Sorge der Familienväter um das Dasein in der Gegenwart, sondern lädt ihnen auch eine ungeheure Verantwortung für die heran wachsende Generation auf. Mit der entschluß- und tatenlosen Hoffnung, es werde sich schon alles wieder einrenken, ist es wirklich nicht geschehen. Die ältere Generation, wenn sie Lebenskunst genug besitzt, mag sich an der Erinnerung an vergangene bessere Zeiten aufrichten und aus ihr Kraft und Mut zum Ausharren schöpfen. Die neue Generation wird nicht einmal diesen Balsam zur Verfügung haben. Ihr müssen wir, wollen wir uns nicht an ihr versündigen, den Weg in ihre Zukunft bahnen. Es ist außerordentlich bequem, die neue Generation einfach auf den Zionismus zu verweisen. Nur Gedankenlosigkeit oder Parteileidenschaft kann in dem deutschen Erlebnis eine Bestätigung der zionistischen Theorie erblicken. Der Weg der großen Mehrheit der deutschen Juden, das zeigt sich immer klarer, führt zum mindesten in den nächsten Jahren keineswegs nach Palästina. Palästna selber bedeutet, wie die Ereignisse der letzten Wochen beweisen, nicht die Lösung des Judenproblems, sondern seine äußerste Zuspitzung. Vollends in der Diaspora, für das Leben der Juden inmitten ihrer Wirtsvölker, hat sich die zionistische Theorie geradezu als eine Gefahr herausgestellt. Zionismus ist, wie hier oft genug gesagt wurde, seinem Wesen nach — Semitismus. Mit dem Semitismus aber ist der Antisemitismus nicht einmal in Palästina, ganz gewiß aber nicht in der Diaspora zu bekämpfen. Der Semitisraus mag zu anderen Schlußfolgerungen gelangen als der Antisemitismus. Seine Grundthese aber ist durchaus die gleiche wie die des Antisemitismus. Die neue Generation zu Semiten erziehen, heißt sie dem Antisemitismus preisgeben. Ganz wehrlos steht dem deutschen Erlebnis der jüdische Liberalismus gegenüber. Von der Abgrundtiefe seiner Tragik kann man sich nur schwer eine richtige Vorstellung machen. Vor den fragenden Blicken der neuen Generation muß er die Augen niederschlagen. Liberale Eltern, die vom Judentum meist noch weniger