Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 356 (sequence 60)
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356 phezeiung hat sich jene eine Form der kapitalistischen Riesenunternehmung nicht herausgebildet, und es haben sich neben dem Kapitalismus die alten Wirtschaftsformen erhalten: auf idem Lande die Bauern- und Gutswirtschäft und in der Stadt die Handwerkswirtschaft, die gewiß von den Einflüssen des Kapitalismus nicht unberührt geblieben sind, die sich aber dem kapitalistischen Geiste nicht erschlossen haben. Für die jüngste Zeit;ist charakteristisch, daß auch das Feld, das der Kapitalismus einmal erobert hatte, in, keinem Lande behauptet werden konnte. Neue Wirtschaftsformen haben sich entwickelt und machen dem Kapitalismus sein Recht auch dort streitig, wo offiziell noch der Liberalismus am Ruder ist: die Genossenschäften, aufgebaut auf dem Solidaritätsprinzip und in ausgesprochenem Gegensatz zur kapitalistischen Ordnung gegründet, sowie die Betriebe der öffentlichen Hand (vielfach in Verbindung mit privatkapitalistischen Interessen als sogenannte gemischt-öffentliche Unternehmungen). Der Staat reguliert nicht nur, er nimmt selbst in steigendem Maße an der Wirtschaft teil,;und es ist bekannt, daß sich die wirtschaftliche Interessen- Sphäre des Staates gerade in der gegenwärtigen Krise allgemein stark ausgebreitet hat. Es ist ersichtlich, daß die Vergrößerung des staatlichen Sektors in der Wirtschaft und die Ausbreitung der Genossenschaften dem A b b a u d e s K a p i t a 1 i s m u s wirksam Vorschub leisten. So darf festgestellt werden, daß die Tendenzen zu einer Aenderung der Wirtschaftsverfassung und einer Neuorientierung des Wirtschaftsgeistes von innen h eraus im Wachsen sind. Vergeblich scheint die Hoffnung der Unternehmer auf eine Rückkehr zum Unschuldszustand der sogenannten freien Wirtschaft, wo die Unternehmei initiative durch keinerlei Schranken gehemmt war, aber vergeblich auch die Hoffnung der Sozialisten auf einen automatischen Zusammenbruch der kapitalistischen Wirtschaft. Freilich ist eine Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht möglich, wenn der Staat sich begnügt, nier und da zu flicken und, den Bedürfnissen des Tages Rechnung tragend, plan- und ziellos, wo gerade der Schuh drückt, einzugreifen. Die Fülle unzusammenhängender Interventionen verwirrt und hat notwendiger Weise Ungerechtigkeiten zur Folge. Soll die staatliche Interventionspolitik Erfolg haben, so bedarf sie der Planmäßigkeit und Einheitlichkeit.