Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1933-07-01 · Heft 10-11 (Juli 1933) · p. Seite 355

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 10-11 (Juli 1933)
Date
1933-07-01
Page
Seite 355 (sequence 59)
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2551369-2551370-2551377--1282-2552792
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

355 breitet, und haben insbesondere dargelegt, daß mit jedem Zinsgeschäft notwendigerweise!ein Unrecht verbunden ist, indem die Leistung des Schuldners niemals der des Gläubigers äquivalent ist. Auch dieses Motiv trifft selbstverständlich nur den Darlehenszins. Aber einmal spielt der Darlehenszins in der kapitalistischen Wirtschaft eine ganz hervorragende, und zwar verhängnisvolle Rolle, und zum zweiten beeinflußt der Darlehnszins seinerseits che Höhe des Kapitalzinses. Das wird am besten dadurch demonstriert, daß heute der Unternehmer in gleicher Weise einen Zins für das Eigenkapital in die Kalkulation einzustellen pflegt, wie er den Zins, den er für das Fremdkapital tatsächlich zu zahlen hat, in der Unkostenrechnung berücksichtigt. So wirkt der Fluch des Darlehnszinses über den Bereich der Kreditwirtschaft hinaus durch die ganze Wirtschaft. Es soll freilich nicht verschwiegen werden, daß sich gerade in der Gegenwart eine Aenderung in der Struktur der Kreditwirtschaft anzubahnen scheint. Wir haben versucht, das Gesicht der kapitalistischen Wirt- Schaft in seinen wesentlichsten Zügen zu zeichnen, und haben insbesondere dargestellt, welche Rolle jene Faktoren im Kapitalismus spielen, die wir als die leitenden Prinzipien des bibiisehen Systems kennen gelernt hatten: der theokratische Gedanke, die Idee der Freiheit, der Gemeinschaftsgeist, der Grundsatz der Gerechtigkeit und die Besitzidee. Z u s a m menfassend stellen wir fest, daß wir überall eine tiefe Kluft zwischen kapitalisischem und biblischem Wirt Schafts g eist gefunden haben. Dessenungeachtet konnten wir für die letzte Phase kapitalistischer Entwicklung eine gewisse Wandlung beobachten im Sinne der stärkeren Erfüllung des Kapitalismus mit sozialem Ge ha!- te undder zu nehmenden Bindung der in ihm wal• tenden Kräfte. Auf ein Moment sei noch hingewiesen, daß neben der inneren Wandlung der Kapitalismus für die Beurteilung seiner gegenwärtigen Lage Von wesentlicher Bedeutung ist, das ist die Verengung des kapitalistischen Raumes. Schon in der vergangenen Epoche des Hochkäpitalismus war es nicht so, daß sich die Herrschaft des Kapitalismus über alle Zweige der Wirtschaft erstreckt hätte. Entgegen der Marx’schen Pro-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.