Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 354 (sequence 58)
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354 lischen Ordnung stand die gleichmäßige Teilung des Landes unter die Volksgenossen unter Ausschaltung von Gewalt und Willkür. Die kapitalistische Ordnung dagegen ist aus der alten feudalistischen herausgewachsen, deren Grundgedanke das Recht des Stärkeren war. Mag man immerhin annehmen, daß das freie Spiel der Kräfte eine einmal gegebene gerechte Ordnung nicht erschüttert, daß sich aus den Trümmern einer ungerechten Ordnung eine gerechte selbsttätig entwickle, das wird niemand erwarten dürfen. Eine ungerechte Besitzordnung bedeutet stets eine u 11 g erechte Einkommensgliederung. Der Arbeiter, der seine Arbeitskraft nicht anders verwerten kann als in fremden Diensten, ist gezwungen, dem Kapitalisten einen Monopoltribut zu entrichten, wie oben (S. 253) bereits angedeutet wurde, er muß sich ״ausbeuten“ lassen, wie es in der sozialistischen Terminologie heißt. Die Arbeiter sind freilich in der Lage, durch gewerkschaftlichen Zusammenschluß ihre Position zu stärken, und können unter Umständen auch den Einsatz Staatlicher Machtmittel in ihrem Interesse erzwingen. Dadurch ändert sich das Bild. Immer deutlicher tritt zutage, daß es neben der Abhängigkeit des Arbeiters vom Kapital auch eine Angewiesenheit des Kapitals auf den Arbeiter gibt, und je nach der Lage der Konjuktur tritt die Ueberlegenheit des Kapitals oder die Macht der Arbeiterschaft stärker in die Erscheinung. Der Arbeiterschaft ist es gelungen, im Zuge der gewerkschafts- und sozialpolitischen Entwicklung ihren Anteil am Ertrage der Volkswirtschaft zu steigern, und wenn die Löhne in der gegenwärtigen Krise überall im weitesten Umfange abgebaut worden sind, so darf man doch nicht vergessen, daß auch der Profit des Unternehmers rapide gesunken ist, wenn er sich nicht gar in ein Minus verwandelt hat. Aber von einem gerechten Ausgleich zwischen Arbeit und Kapital kann man dabei nicht spreehen. Die Lohn frage bleibt eine Machtfrage, nur daß die Machtverhältnisse sich verschieben. — Nicht nur Arbeit und Kapital kämpfen miteinander um den Anteil am Ertrage der Produktion, auch auf der Kapitalsseite selbst besteht eine dauernde Rivalität zwischen Kapitalzins und Unternehmergewinn. Die Thora lehnt den Zins bekanntlich ab, aber sie spricht nur vom DarlehehSzins, nicht vom ursprünglichen Kapitalzins. Ueber die Begründung des biblischen Zinsverbotes haben wir uns oben schon ver-