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Nahalat tsevi · 1933-07-01 · Heft 10-11 (Juli 1933) · p. Seite 353

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 10-11 (Juli 1933)
Date
1933-07-01
Page
Seite 353 (sequence 57)
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ד 353 gehört gewissermaßen zu den Spielregeln des Kapitalismus, daß der eine vor dem anderen seine Gedanken versteckt, wobei zu• gunsten des Kapitalismus angenommen werden soll, d ■ ß direkte Irreführung auch hier als Unregelmäßigkeit betrachtet wird. So spielt die gegenseitige Uebervorteilung im Kapitalismus eine ganz hervorragende Rolle und wird in den meisten Fällen überhaupt nicht als Unrecht empfunden. Doch wenn man von Gerechtigkeit in einer sozialen Ordnung spricht, so denkt man weniger an die Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit, die die Menschen im Verkehr miteinander zeigen oder vermissen lassen, als die Gererechtigkeit der Ordnung selbst, an die Verteilung der Machtverhältnisse innerhalb der Wirtschaft, insbesondere an die Verteilung von Besitz und Einkommen. Dann fragt man, ob jeder Einzelne in der Wirtschaft zu seinem Rechte kommt. Was aber kommt dem Menscher als sein natürliches Recht zu? Was ist eine gerechte Verteilung von Besitz und Einkommen? ־— Solange es ein Nachdenken über soziale Fragen gibt, solange schon grübeln die Menschen über den Begriff der sozialen Gerechtigkeit. Die Thora vertritt, wie wir oben dargestellt haben, nicht den Standpunkt, daß alle Menschen gleichen Besitz und gleiches Einkornmen haben müssen, wobei freilich zu beachten ist, daß die biblische Sozialordnung nicht von den einzelnen Individuen, sondern von den Stämmen und Geschlechtern ausgeht. Aber die biblische Ordnung bedingt eine relative Gleichheit, ihre erste Forderung ist die Beteiligung aller Menschen am Grund und Boden als der Urquelle der wirtschaftlichen Güter, und die biblische Agrarverfassung ist so fest gefugt, daß der Einzelne nur im Ausnahmefall und für im vorhinein begrenzte Zeit seinen Besitzanteil verlieren kann. Auch der Kapitalismus hat die Besitzidee, mehr noch: die Idee des absoluten Eigentums, aber er hat sie nicht zur universellen I dee gestaltet. Nur ein Teil der Menschen ist am Besitz beteiligt, und ihre Ueberlegenheit muß der andere, weniger glückliche Teil erfahren, der von den Produktionsmitteln getrennt ist. Das kapitalistische Verhältnis ist ein Machtverhältnis. Wie immer man den Begriff der sozialen Gerechtigkeit fassen mag, im Kapitalismus wird man ihn nicht finden. Die kapitalistische Ordnung ist niemals als eine gerechte gegründet worden! Im Ausgangspunkt der bib-

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