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Nahalat tsevi · 1933-07-01 · Heft 10-11 (Juli 1933) · p. Seite 352

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 10-11 (Juli 1933)
Date
1933-07-01
Page
Seite 352 (sequence 56)
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352 wiederum einen charakteristischen Gegensatz: Im biblischen Sozialsystem war die Charitas Bestandteil der Wirtschaft selbst, heute steht sie neben der Wirtschaft. Der Unternehmer lehnt es prinzipiell ab, sich in irgendeiner geschäftlichen Frage von außerwirtschaftlichen Gesichtspunkten bestimmen zu lassen, er würde ja die Rentabilitätsrechnung stören, wenn er Geschäft und Wohltätigkeit nicht säuberlich auseinanderhielte! Und so steht nicht selten die chäritative Betätigung des Unternehmers im schroffsten Widerspruch zu seinem sozialen oder vielmehr unsozialen Verhaltenim geschäftliehen Leben. Die moderne Gesellschaft aber läßt sich gern Sand in die Augen streuen und preist auch den skrupellosen Unternehmer als Wohltäter der Menschheit, wenn er nur einen Bruchteil des in Unbekümmertheit um das Schicksal fremder Existenzen zusammengerafften Vermögens in Form einer Stiftung der Allgemeinheit wieder zurückerstattet. Vielleicht kommt in nichts die Brüchigkeit der käpitalistischen Gemeinschaftsethik so klar zum Ausdruck wie in dem aufgezeigten Widerspruch. Endlich zum Problem der Gerechtigkeit im Kapitalismüs. Es muß zunächst positiv festgestellt werden, daß der Kapitalismus bestimmte formale Gerechtigkeitsprinzipien zur höchsten und unumstrittenen Anerkennung gebracht hat. Wenn beispielsweise die Thora immer wieder einschärft: מאוני צדק אבני צדק איפת צדק והין צדק, so muß gesagt werden, daß das richtige Maß und Gewicht für uns heute kein Problem mehr ist. Ein Kaufmann ist für immer disqualifiziert, wenn er versucht, sich durch so׳ grobe Betrügereien zu bereichern. Kaufmännische Zuverlässigkeit und höchste Rechtssicherheit gehören geradezu zu den Grundfesten des Kapitalismus, und die käpitalistische Ordnung ist heute nicht zuletzt dadurch erschüttert, daß Treu und Glauben nicht mehr den Klang haben wie in den Zeiten vor dem Kriege. Aber die Gerechtigkeit im Kapitalismus ist immer nur fortnaler Natur. So selbstverständlich es in der gefestigten kapitalistisch’en Ordnung ist, daß ein einmal abgeschlossenes Geschäft nach Treu und Glauben erfüllt wird, sowe!nig selbstverständlich ist es, daß beim Geschäftsabschluß selbst die Partner offen und ehrlich einander gegenübertreten, und es

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