Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 351 (sequence 55)
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351 der Freiheitsbeschränkung; denn nicht nur ,auf sozialem Gebiete, im Verhältnis von Arbeit und Kapital, stoßen die Gegensätze aufeinander, die ganze Wirtschaft in allen ihren Teilen ist von Spannungen geladen, und immer wieder wird auch der nach außen liberal sich gebende Staat zum Eingreifen gezwungen, auf dem Gebiete der Produktion, des Handels und des Kredits. Zu jenen obrigkeitlichen Freiheitsbeschränkungen kommen die aus ganz anderen Motiven entspringenden Selbstbindungen der Unternehmer durch Kartelle und andere Konventionen, und durch alle jene Beschränkungen und Bindungen ist die individuelle Freiheit in dem Maße eingeengt, daß der Kapitalismus heute nicht mehr als eine freie Wirtschaftsordnung anzusprechen ist. Der Flochkapitalismus ist überwunden, wir sind in das Zeitalter des Spätkapitalismus getreten. In diesem Zeitalter wandelt sich auch die Psyche des Unternehmers, die vom Gemeinschaftsgeist unmittelbar berührt wird. Der Unternehmer der vergangenen Epoche scheute sich gar nicht, offen zu erklären, daß er ganz ausschließlich seine persönlichen Vorteile verfolge; denn die nationaiökonomisehe Wissenschaft hatte ja gelehrt, daß aller Widerstreit der Interessen sich in Harmonie auflöse. Der moderne Unternehmer dagegen legt größten Wert darauf zu betonen, daß er der Gemeinschaft dient. Henry Ford ist es, der ״das Evangelium der sozialen Dienstleistung“ am lautesten gepredigt hat, und weit über den Bereich Amerikas hinaus ist der Dienstgedanke zum integrierenden Bestandteil der Unternehmerideologie geworden, wobei freilich der Wunsch, den Sozialismus abzubiegen, eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Dessenungeachtet ist die Wandlung vielfach nur eine äußerliche, und so sehr der Unternehmer sich freut, wenn er sein persönliches Interesse als in der Richtung des Gesamtinteresses liegend aufweisen kann, wenn das privatwirtschaftliche Interesse mit dem volkswirtschaftlichen in Konflikt kommt, so gibt es auch heute nur wenige, die das eigene aus freiem Antrieb zurücktreten lassen. :]; 'M Also trotz der mannigfach vorhandenen Ansätze zur Verfestigung des Gemeinschaftsgedankens in der kapitalistischen Wirtschaft sind seine Aeußerungen nicht allzu stark. Der Kapitalist zieht es vor, sein gutes Herz in charitativer Betätigung außerhalb der Wirtschaft zu zeigen. Hier sehen wir