Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 350 (sequence 54)
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350 gegenüberstellung: Kapitalismus Individualismus und Sozialismus =, Universalismus ist durchaus schief und wird dem wah1ren Wesen der beiden sozialen Systeme nicht gerecht Auch der Kapitalismus ist auf das Universelle ausgerichtet, wie umgekehrt der Sozialismus nicht das Individuum von vornherein ablehnt. Der Unterschied ist aber folgender: Der Kapitalismus fordert ,an erster Stelle Freiheit der individuellen Betätigung und sieht zugleich das Wohl der Gesamtheit am1 besten gewährleistet, wenn jeder einzelne Teil sich frei entfalten kann. Der Sozialismus fordert an erster Stelle Hinrichtung auf das Ganze und glaubt zugleich das Individuum am besten geborgen, wenn jeder einzelne sich von vornherein ur.d bewußt in die Gesamtheit einordnet. Das allgemeine Wohl wird also im Kapitalismus keineswegs gering geschätzt, aber es schwebt gewissermaßen über der Wirtschaft. Jedes einzeln Individuum ist auf sich selbstgestellt, alle arbeiten sie neben- und gegeneinander, und erst das Ergebnis ihres Wettstreits ist ״das größte Glück der größten Zahl“, um mit den Worten Bentham’s, des Weltanschauungslehrers der großen liberalen Nationalökonomen zu sprechen. So ist der Kapitalismus in seiner urwüchsigen Gestatt recht eigentlich Kampfallergegen alle, und Key.nes hat mit Recht auf die Verwandtschaft zwischen Kapiatlismus und Darwinismus hingewiesen.7) Wenn also auch der Kapitalismus als universelle Idee aufgefaßt werden will, so ist es doch erst die Sozialpolitik, die den Gemeinschaftsgedanken zu unmittelbarer Wirkung im Kapitalismus bringt. Aber die Sozialpolitik ist weit davon entfernt, eine Befriedung des sozialen Kampfes herbeizuführen, denn der moderne demokratische Staat ,steht ja nicht jenseits des Gegensatzes der streitenden Parteien, und so wird jede sozialpolitische Errungenschaft selbst Gegenstand des Kampfes. So ist denn auch hier kein ungetrübter Gemeinschaftsgeist zu finden. Die Sozialpolitik stellt sich als zunehmende Beschränkung der individuellen Freiheit des Unternehm!ers dar. Die Theorie des ״Herr im eigenen Hause Seins“ hat ausgespielt. Doch ist die Sozialpolitik nicht die einzige Quelle 7) Das Ende des Laissez faire, deutsch 1926.