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Nahalat tsevi · 1933-07-01 · Heft 10-11 (Juli 1933) · p. Seite 349

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 10-11 (Juli 1933)
Date
1933-07-01
Page
Seite 349 (sequence 53)
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34$ so hat er meist überhaupt keine Wirtschaftsgesinnu,ng, die seine Persönlichkeit mit sittlichem Gehalt zu erfüllen vermöchte. Die nach modernen Methbden rationalisierte Fabrikarbeit ist bis ins letzte miechanisiert. Der Arbeiter hat nur mehr eine bestimmte Zahl genau abgemessener, sich in gleichmäßigem Tempo unaufhörlich wiederholenderBewegangen auszuführen, und wie sollte er zu einer Tätigkeit, die ihn, den lebendigen Menschen, zum willenlosen Teil eines leblosen Mechanismus werden läßt, eine andere Einstellung gewinnen können als die eines notwendigen Uebels, das auf ein Zeitminimum zu beschränken er mit aller Kraft streben muß, wenn er schon das Uebel selbst als ein notwendiges nicht beseitigen kann? Noch ungünstiger ist der Arbeiter in sozialer Hinsicht gestellt. Hat der Unternehmer wenigstens ein gewisses Maß äußerer Freiheit, so ist dem Arbeiter auch diese beschnitten! Denn da die Freiheit nicht wie im biblischen System ihre Ergänzung in einer gerechten Oranung des Besitzes findet, s o hat der Arbeiter die Freiheit, in einem ״freien Arbeitsvert ragea seine Freiheit dem Untern ehmer zu verkaufen.6) In der ungleichen Partnerschaft der den Arbeitsvertrag schließenden Parteien liegt die Wurzel der sozialen Frage. Die Arbeiter aber, bestrebt, ihre Position zu behaupten, schließen sich zu Koalitionen zusammen, es beginnt der soziale Kampf. Diesem Kampf kann der Staat nicht tatenlos Zusehen. Als der vornehmste Träger des Gemeinschaftsgedankens such! er im Geiste der Gemeinschaft einen Ausgleich der widerstreitenden Interessen herbeizuführen. So wird der Gemeinschaftsgedanke von außen in die kapitalistisch Wirt- Schaft hineingetragen — im Gegensatz zum biblischen System, das das solidarische Prinzip in Verbindung mit dem theokrati■ sehen zur Grundlage der ganzen Wirtschaftsverfassung gemacht hat. Wenn man die Rolle, die die Gemeinschaftsidee im Kapitalismus spielt, würdigen will, so muß man freilich beachten, daß auch der liberale Kapitalismus, der von irgendwelchen staailichen Eingriffen in die Wirtschaft nichts wissen will, den Uni versalgedanken als solchen nicht ausschließt. Die übliche Geö) Nicht mit Unrecht betrachtet der Talmud den Dienstvertrag als eine mildere Form des Sklavenvertrages, weshalb auch der Arbeiter ein jederzeitiges Rücktrittsrecht genießt (Baba Mezia 10a u. a.).

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