Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 348 (sequence 52)
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546 nur angedeutet werden. Die größte Tragik aber scheint uns darin gelegen, daß!selbst unsere geistigen Führer, um die geistigen Institutionen zu erhalten und auszubauen, vor dem Materiellen den Hut ziehen müssen. Die Freiheit, die der Kapitalismus gewährt, scheint demnach zweifelhafter Art. Es ist eine mehr äußere Freiheit, die dem Menschen die Wahl läßt, ob er diesem öder jenem Erwerb nachgehen, dieses oder jenes Geschäft verfolgen soll, aber wie er auf einem bestimmten Platz zu 'handeln hat, ist ihm innerhalb gewisser Grenzen vorgeschrieben. Innerhalb gewisser Grenzen! Denn so ist es nun doch nicht, wie Sombart einmal sagt, daß der Kapitalist unfreier wäre als die Lokomotive, die der Dampf über die Fluren treibt. Ein gewisser Spielraum ist dem Unternehmer gelassen, soziale Gesinnung zu bewähren, und man unterscheidet mit Recht den sozialen von dem unsozialen Unternehmer. Auch ist der kapitalistische Geist gewisser Modifikationen fähig, und wenn auch kein Unternehmer imstande ist, sich von dem herrschenden Wirtschäftsgeist zu emanzipieren, so vermag er ihm vielleicht doch eine gewisse individuelle Note zu geben. Dafür ist der thoratreue Juae selbst der stärkste Beweis. In einer Zeit übersteigerten Wirtschaftskampfes, wo alles die letzten Kräfte anstrengt, um nicht gegenüber dem Konkurrenten ins Hintertreffen zu kommen, feiert der Jude in Abweichung von dem staatlichen Ruhetag seinen traditionellen S a b b a t h, indem er seine Wettbewerbsfähigkeit von vornherein beeinträchtigt, und diese Sünde wider den kapitalistischen Geist begeht er nicht einmal, sondern Woche um Woche und Jahr um Jahr. Doppelt betrüblich freilich, wenn der vor verstärkte Wirtschaft liehe Schwierigkeiten gestellte sabbathireue Unternehmer sich nun veranlaßt sieht, die kapitalistischen Tugenden oder Untu• genden mit umso größerem Eifer zu befolgen, um den Nachteil des Sonderruhetages ausz'ugleichen. Doch sollen Einzelfälle nicht verallgemeinert werden. Ungeachtet des Gesagten bleibt der Unternehmer der Bevorzugte des kapitalistischen Systems. Das Sorgenkind des Kapitalismus ist der Arbeiter. Erst seine Lage zeigt uns die ganze Problematik der kapitalistischen Wirtschafts- Ordnung. Was zunächst die geistige Haltung des Arbeiters betrifft,