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Nahalat tsevi · 1933-07-01 · Heft 10-11 (Juli 1933) · p. Seite 347

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 10-11 (Juli 1933)
Date
1933-07-01
Page
Seite 347 (sequence 51)
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347 läßt, als der Kapitalismus sie verlangt, sieht er nicht oder würdigt er!nicht, denn es hilft ihm ja nicht, die kapitalistische Befähigung der Juden zu erklären, im Gegenteil, es kompliziert nur seine Aufgabe. Sombart hat wiederholt betont, daß er nicht als Antisemit ausgezogen ist, als er daran ging, die Beziehungen des Judentums zum Kapitalismus zu untersuchen, und wir haben keine Veranlassung, an (der Ehrlichkeit seiner Gesinnung zu zweifeln. Aber es scheint doch in ihm eine gewisse Empfänglichkeit für antisemitische Lehren und Vorurteile gewesen zu sein. Ihm fehlte von vornherein die Scheu, ein falsches Bild des Judentums zu zeichnen, und so verließ ihn die selbstverständliche Selbstkritik des Gelehrten, die bei jeder These sich fragt, ob ihr nicht irgendwelche Tatsachen entgegenstehen, bei jeder Behauptung sich prüft, ob sie nicht einer Einschränkung bedarf. Dabei lag doch der Einwand so nahe, daß die soziale Gesetzgebung der Thora, die auch dem oberflächlichen Bibelleser nicht entgehen kann, den kapitalistischen Prinzipien so ganz und gar nicht entspricht! Mit der Aufzeigung des Gegensatzes zwischen kapitalistischem und jüdischem Geist ist das Problem noch nicht gelöst; denn der Geist des Kapitalismus drängt sich schlechthin jedem auf, der in der kapitalistisehen Wirtschaft steht. Auch' wer die Ideale der Thora im Herzen trägt, wird, wenn auch wider Willen, vom schranken- und grenzenlosen Streben erfaßt. Würde er die persönlichen Rücksichten nehmen, die sein religiöses Gewissen von ihm fordert, er würde im Wirtschaftskampf unterliegen. Würde er nicht fortwährend darauf bedacht sein, seine wirtschaftliche Position zu mehren, er würde auf die letzte Stufe zurückfallen. Der Spruchdichter konnte wohl sagen: ״Armut und Reichtum gib mir nicht, laß mich essen mein gemessen Brot!“ Der moderne Unternehmer kann so nicht sprechen. Mag er ein noch so hohes Einkommen haben, er muß danach streben, es zu erhöhen, sonst würde er auch das alte verlieren. Daß im übri gen der Einfluß des kapitalistischen Geistes über den Bereich der Wirtschaft hinausgeht, daß wir alle mehr oder minder der Psychose unterliegen, die Menschen nach ׳ihrem ״sozialen Stande“ zu werten, und daß die sozialen Unterschiede sich selbst in unser synagogales Leben eingeschlichen haben, kann hier

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