Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 345 (sequence 49)
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345 Ausschaltung jdes Gegensatzes von Religion und Wirtschaft gelegen ist, aus apologetischen Gründen zu verkleinern. Sombart jedenfalls hat richtig herausgefühlt, daß im Judentum eine andere Luft weht als im Christentum, und!daß hier das Verhältnis von Religion und Wirtschaft ein positives ist. Was aber auf der anderen Seite der Kapitalismus als Erstes fordert, das ist eben Bejahung der Wirtschaft, ist die Wertschätzung der wirtschaftlichen Güter und die Rechtfertigung eines Wirtschaftliehen Strebens, das über den notwendigen persönlichen Bedarf hinausgeht In diesem Betracht scheint in der Tat das Judentum dem Kapitalismus näher zu stehen als das Christentum. Allein die Verwandtschaft ist doch nur insofern gegeben, als das Judentum eben der Wirtschaft im allgemeinen näher steht. Doch der Kapitalismus bedeutet mehr als Bejahung der Wirtschaft, mag diese auch die erste Voraussetzung sein, er verlangt Verabsolutierung der Wirtschaft, er bedingt auch mehr als die Einordnung der wirtschaftlichen Güter in die Welt der Werte, er setzt den Primat des wirtschaftlichen Wertes, und er will endlich mehr als die Grenzen der wirtschaftlichen Tätigkeit über den persönlichen Bedarf erweitern, er bedeutet grenzenlosen Erwerb. Das Judentum, aber hat, eben weil es die Wirtschaft bejahte, eine Fülle von Schranken errichtet, um der Ueberwertung der Wirtschaft entgegenzutreten; hat, eben weil es der Wirtschaft einen Platz in der sittlichen Welt einräumte, ihre Grenzen gezogen, damit die Wirtschaft nicht alles andere überwuchere. In diesem Betracht wiederum darf man sogar sagen, daß der Gegensatz des Kapitalismus zum Judentum schärfer und ausgeprägter ist als der zum Christentum, das mit seiner Gering- Schätzung der Wirtschaft eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der konkreten Wirtschaftsordnung verbindet5). ö) Ähnlich wie mit dem Verhältnis zwischen Judentum und Wirtschaft steht es mit dem zwischen Judentum und Rationalismus, auf das Sombart ganz entscheidenden Wert legt. Denn indem er den Rationalismus in gleicher Weise als den hervorstechendsten Charakterzug des Judentums sowohl wie des Kapitalismus darstellt; bereitet er sich den Weg zu einer Gleichsetzung von Judentum und Kapitalismus. Es ist hier nicht der Platz, den Sombart’schen Versuch im Einzelnen zu verfolgen und zu widerlegen. Das haben die Sombartkritiker bereits gründlich besorgt. Grundsätzlich sei aber folgendes festgestellt; Zweifellos hat das Judentum einen starken rationalistischen Einschlag, einen weit stärkeren jedenfalls als das Christentum, und wir brauchen auch diese