Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 343 (sequence 47)
- Belongs to
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343 auseinandersetzen, von jüdisch-orthodoxer Seite eine ziemlich umfangreiche Broschüre von Moses Hoffmann -Breslau, unter dem Titel: ״Judentum und Kapitalismus“ (Berlin 1912). Wir werfen hier nur die Frage auf : wie kommt Sorabart zu seinem ungeheuerlichen Irrtum? und untersuchen diese Frage, die von den Sombartkritikern im günstigsten Falle peripherisch behandelt wird, umso lieber, als sie uns Gelegenheit bietet, das besondere Verhältnis von Religion und Wirt- Schaft im Bereich des Judentums klarzustellen. Das nämlich scheint uns das Entscheidende zu sein: Sombart erkannte in der jüdischen Religion eine Einstellung zur Wirtschaft, die ihm vom Christentum her fremd war. Das Christentum mit seiner weltflüchtigen Tendenz, mit seiner Lehre von der Ueberwindüng des Diesseits, ist in seinem Kern wirtschaftsfeindlieh. Als Religion der Armen und Bedrückten entstanden, mißtraut das Christentum dem Reichtum — wir erinnern an den bekannten Satz in Matth. 19,24: ״Es ist leichter, daß ein Kamel durch das Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Gottesreich kommt“ — erachtet ea wirtschaftliches Mühen und Sorgen als der Aufgabe des Menschen widersprechend und entwertet den sinnlichen Genuß, indem es das Ideal der Askese begründet. Freilich hat das Christentum einen Wandel durchgemacht. Es mußte ein inneres Verhältnis zur irdisch-sinnlichen Welt gewinnen, wollte ies nicht jede werbende Kraft unter den breiten Massen verlieren. Aber der asketische Grundcharakter tritt doch immer wieder hervor. Es bleibt ein latenter Gegensatz zwischen Christentum und Wirtschaft, und allen Versuchen, diesen Gegen- Satz zu überbrücken, haftet etwas Unnatürliches an, und die Unnatur ist dort am stärksten, wo wie in der innerweltlichen Askese des Calvinismus die Verbindung von Religion und Wirtschaft am engsten geknüpft wird.3) Diesen Gegensatz hat es im Judentum niemals gegeben. Wohl kann die tatsächliche Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse und die spezifische Artung der Wirtschaftsgesinnung eines Zeitalters oder bestimmter Individuen in einen Widerspruch zu den Prinzipien der jüdischen Religion geraten, aber (es handelt sich hier nicht um einen Widerspruch im Wesenhaften. Das Wesen der Religion steht nicht im Ge- *) Wir wissen aus den Studien von Ferdinand T ö n n i e s und Max Weber, welche Bedeutung der Calvinismus iär die Entstehung des kapitalistischen Geistes gehabt hat.