Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 342 (sequence 46)
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Fremd ist dem Judentum der Geist eines h'enU■ mungslosen Individualismus, der fremder Interessen nicht achtet, wenn es die Durchsetzung des eigenen Vorteils gilt. Das biblische Sozialsystem beruht auf dem Prinzip des Solidarismus und grenzt nicht nur die Rechte der Wirtschafts־ Subjekte gegeneinander ab, sondern macht jedem Einzelnen die Fürsorge für das Wohl des Anderen zur zwingenden Pflicht. Freilich wird das Konkurrenzprinzip als solches im!Talmud anerkannt. Die Weisen loben den Kaufmann, der durch1 selbständiges Vorgehen die Preise seiner Waren herabsetzt, daß er den ״Markt erweitert“ (Baba Mezia 60). Aber in eben dieser Formulierung kommt zum Ausdruck, daß es den Weisen nicht darauf ankam, den im Wettbewerb Stehenden Ellbbgenfreiheit zu sichern, sondern vielmehr darauf, das Interesse der Gesamtheit sicherzustellen, das auf möglichst reichliche und wohlfeile;Versorgung gerichtet ist. Daher auch das Verbot des Zwischenhandels mit Gegenständen des täglichen Bedarfs (דברים שיש בהם חיי נפש) und der Ausfuhr von Getreide (Baba Bathra 91 a). Die ganze ausführliche Diskussion in Talmud und Dezisoren über die Uebervorteilung und die mit ihr in Verbindüng stehenden Fragen zeigt alles andere als kapitalistische Gesinnung. Im jübrigen haben auch die Weisen scharfe Worte gegen den Gewerbetreibenden gefunden, der in die Berufs- Sphäre seines Mitmenschen eindringt (Berachoth 16 a). Fremd endlich ist dem Judentum der Geist eines ökonomischen Rationalismus, der alles unter dem Gesichtspunkt wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit gewertet wissen will, samt dem Geist der Rechenhaftigkeit, der die Herrschaft der Zahl zum obersten Prinzip erhebt und dem nur wertvoll erscheint, was sich auf einen Zahlenausdruck bringen; läßt ״Der Segen liegt nicht in einer Sache, die gewogen, nicht in einer Sache, die gemessen, und nicht in einer Sache, die gezählt ist, sondern nur in einer Sache, die dem' Auge verborgen ist“ (Taanith 8 b). Wie aber erklärt es sich1, daß Sombart einen Parallelismus zwischen jüdischem und kapitalistischem Geiste feststellen zu können geglaubt hat?2) Wir wollen Sombart’s Argumentation hier nicht im Einzelnen nachgehen. Es gibt ja eine ganze Reihe von Schriften, die sich mit Sombart *) Die Juden und das Wirtschaftsleben. München-Leipzig, wiederholt aufgelegt.