Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 341 (sequence 45)
- Belongs to
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341 Spricht hier auch von dem Konkurrenzprinzip. Dieses bedeutet eine Geisteshaltung, nach welcher das einzelne Wirt- Schaftssubjekt sich ausschließlich auf sich allein gestützt fühlt. Der Einzelne vertraut nur auf sich und seine Kraft. Er dehnt seine .Wirtschaftssphäre so weit aus, als es seinem Willen und seiner Machtvollkommenheit entspricht, ohne Rücksicht auf das Wohl und Wehe anderer am Wirtschaftsleben beteiligten Personen Zu nehmen. Er handelt ״rücklichtslos“. Dafür erwartet er auf der anderen Seite grundsätzlich auch keine Rücksichtnähme anderer auf sich. Das Prinzip der (naturalen) Freiheit, die hier soviel wie Ellbogenfreiheit bedeutet, ist auf Kosten des Prinzips der Gleichheit verwirklicht. Das dritte Prinzip, das im kapitalistischen Wirtschaftssystem Geltung beansprucht, ist das der grundsätzlichen Einstellung aller Vornahmen auf höchstmögliche Zweckmäßigkeit, der ö k onomische Rationalismus, der sich1 in den kapitalistisehen Organisationen in dreifacher Weise äußert: als Planmäßigkeit, als Zweckmäßigkeit im engeren Sinne und als Rechnungsmäßigkeit oder Rechenhaftigkeit. Wir müssen es uns versagen, bei der Schilderung des kapitalistischen Geistes länger zu verweilen. Für uns gilt es vor allem, sein Verhältnis zu jenem Geiste zu bestimmen, der uns in der biblischen Wirtschaftsverfassung entgegentritt und für alle Zeit als der Geist des religiösen Judentums zu betrachten ist. Da ist zunächst mit aller Eindeutigkeit festzustellen, daß der Geist des schrankenlosen Erwerbes dem Judentum fremdist. Im biblischen Sozialsystem ist alles wirtschaftliche Handeln und Streben dem theokratischen Prinzip untergeordnet, in ihm findet es seine Rechtfertigung, aber auch seine Grenzen. Vor dem Postulat der Religion tritt der Anspruch der Wirtschaft zurück, und wo die Wirt- Schaft die ihr gesetzten Schranken überrannt hat, da gilt nicht mehr der Geist des Judentums, mögen auch jüdische Menschen die Handelnden sein. Der Erwerb ist weder höchster noch überhaupt ein autonomer Wert, und der religiöse Jude, wenn er auch vor Armut bewahrt sein will, mißtraut dem Reichtum, der ihn seinem Gott entfremdet. ״Armut und Reichtum gib mir nicht, laß mich essen mein gemessen Brot. Daß ich nicht gesättigt zum Leugner werde und spreche: Wer ist der Ewige? Und daß ich nicht in Armut stehle!und ■mich vergreife am Namen meines Gottes“ (Prov. XXX, 8/9).