Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 322 (sequence 26)
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Es liegt ja schon im Charakter der Sollensgesetze der Schöpfung, daß freie Wesen von ihnen betroffen werden müssen. So wird der Ungehorsam der ״Erde“, d. h. des schaffenden Erdgeistes verständlich. Nach Abschluß der Schöpfung gelten die Engel im allgemeinen als unfrei. Doch gibt es hiervon Ausnahmen. Diese Frage führt aber über den Rahmen unseres Themas hinaus.19) Wir wenden uns wieder dem Problem der menschlichen Freiheit zu. Indem die Schöpfung des Menschen in Parallele zur Gesamt-Schöpfung zu setzen war, gilt auch für ihn, daß die Macnt des Bösen seinen Sphärenkreis schneidet. Und ebenso gilt für ihn, daß sie nur im J’ziroh-Stadium in ihm weilt. An seiner Assioh war sie nicht beteiligt. Nun ergehen an ihn Vorschriften. Zunächst die (wegen einer gewissen späteren Veränderung־ nach Noah benannten) noachidischen Gebote. Sie sind, da sie einen Teil der Thora-Gesetze bilden, dem Wesen des Menschen adäquat. Er lebte nach ihnien, auch1 ohne daß sie an ihn gerichtet wurden. Sie sind sein Lebensgesetz. Wozu brauchten sie ihm also gegeben zu werden? Um seiner Freiheit willen! Hier offenbart sich gerade der rechte Sinn der Freiheit, Lebt der Mensch nach den Gesetzen der Thora, weil ein innere Macht ihn auf ihren Weg drängt, So handelt er noch nicht frei. Wird ihm dieser Weg aber auch als ein mit Bewußtsein zu beschreitender gewiesen, und geht er ihn nun auch a u s e ig e n e m Entschlüsse, so handelt er frei. Dies gewollte Ausführen einer auch unter Zwang erfolgenden Handlung macht das Wesen der Freiheit aus. Unsere Weisen — wir dürfen hier schon einmal vorgreifen — haben es uns zur Aufgäbe gemacht, diesen Freiheitscharakter der Mizwoth bei ihrer Ausführung besonders in Erscheinung treten zu lassen. Die Thora verlangt beispielsweise vom Vater, daß er am Seder- Abend seinen Kindern von! Auszug aus Aegypten erzähle. Unsere Weisen haben diesem Erzählen die Fragen der Mah nischtanah vorausgeschickt. Warum? Wei! du!cl1 die Fragen der Wille zur Antwort, zum Erzählen angeregt wird. Man erzählt nicht nur, weil die Thora es gebietet, sondern auch weil man selbst erzählen, dem Kinde die Antwort geben will. So verwandelt man Sollen in Wollen, Zwang in Freiheit. Ein anderes Beispiel: Wer seinen erstgeborenen Sohn auslösen ענ) Vgl. hierzu E. E. Hildesheimer, ״Mystik und Agada ira Urteil der Gaonen Rabbi Seherira und Rabbi Hai“ in der Festschrift für Jacob Rosenheim p. 262—264, J. Kanffmann Verlag 1931.