Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 315 (sequence 19)
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315 der Schöpfung als Seins-Gesetze gegenübertreten. Ihr Zusammenhang wird alsbald erörtert werden. Vorerst sei nur auf die geistige Einstellung hingewiesen, mit der man an eine Betrachtung von Schöpfungsgesetzen herangehen muß, daß man sie eben als Sollensgesetze wertet. Natürlich!reicht dieser Gesichtspunkt der Betrachtung nicht aus, um die Schöpfungsgesetze in ihrem Wesen zu erfassen. Er bedeutet nur einen Schritt zum Verstehen des Charakters dieser Gesetze. Wir haben uns also bei der Betrachtung der Schöpfung vom begrifflichen Erkennen auf ״geschöpfiiches“ Sein, von Seirts-Gesetzen auf Sollens-Gesetze umzustellen. — Ferner ist noch folgendes zu beachten: Die Annahme eines lebendigen Schöpfers zieht die nächstliegende Folgerung nach sich, daß die ersten Geschöpfe, ja alle Geschöpfe das Zeichen des Lebens an!sich tragen. Das Auftreten toten Seins hingegen, das bei der andern Auffassung den Ausgangspunkt bildet, wird hier gerade zum Problem. Dies sei zur besseren Einstellung auf die folgenden Gedankengänge noch hervorgehoben. Im übrigen wollen wir uns bei der Entwicklung der jüdischen Anschauung über diese esoterischen Probleme von Männern leiten lassen, deren Geist vom göttlichen Geist erleuchtet wurde, Blicke in Welten zu tun, die unserer Welt zu Grunde liegen. Die vorangehenden Ueberlegungen dienten mehr dazu, die weiteren aus dem Studium einschlägiger jüdischer Schriften gewonnenen Darlegungen vor Mißverständnissen zu schützen. Sie sollten mehr vorbereiten als positive Erkenntnis vermitteln. IV. Das Problem, das der Schöpfungsvorgang bietet, lautet: auf der einen Seite steht der Eine, Unendliche, Immaterielle, über Raum und Zeit Erhabene, auf der andern Seite die vielfäliige, endliche, materielle, in Raum und Zeit gestaltete Welt. Wie ist es zu denken, daß die so geartete Welt aus dem Schöpfer entstehen kann? Und die Antwort lautet in großen Zügen: Der Schöpfer emaniert eine große Weltseele, die Er mit all den Schöpfungskräften ausstattet, die sie nach Seinem Willen betätigen soll. Diese Weltseele leistet nun folgendes: Sie schafft, ohne ihre Einheit zu verlieren, neue lebendige Seelen, in denen ihre eigenen Wesenszüge getrennt auftreten. Diese Seelen stehen insofern auf einer niederen Stufe, als ihnen die umfassende