Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 312 (sequence 16)
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312 Was ist «das für eine Freiheit, die hiijer verkündet wird? Sicherlieh nicht eine solche, die in unkritischem Denken mit Wi 11 k ü r mehr oder weniger gleichgesetzt wird. Es ist eine andere Freiheit. Eine Freiheit, die nur durch Vertiefung in das jüdische Schrifttum recht begriffen werden kann. Die richtige Gewinnung dieses Freiheitsbegriffs erscheint als wesentliche Voraussetzung für das Verständnis des Judentums als eines Weges zu Gott. Ein weiteres Motiv für die Ferne zwischen Mensch und Gott liegt in der Anschauung des Menschen, daß der Weltenlauf sich von Gottes Hand losgelöst abspiele. Wie ist Gott in der Natur, im Wirtschaftsleben, im geschichtlichen Leben zu erkennen? Der Jude bringt sich an jedem Morgen in seinem Gebete zum Bewußtsein, daß ״Gott in Seiner Güte an jedem Tag »stets das Werk der Schöpfung erneuert.“ Unkritisches Denken begreift das nicht, es sieht den Zusammenhang der Natur mit dem Göttlichen nicht. Es sieht ebensowenig im Wirtschaftsleben 'den י נותן להם לכל גשר) den Erhalter alles Lebens, und im geschichtlichen Leben den 8 'צב נפות עמים) den Lenker der Geschichte der Völker. Es gilt also auch hier, tiefer zu forschen, um die Einheit von Gott und Weltgeschehen zu verstehen, wie!es oben galt, Einheit von Gottes Willen und der Freiheit des Menschen in kritischer Besinnung zu klären. Folgender Weg scheint am leichtesten zur Lösung dieser Probleme zu führen: Man geht an Hand der Schriften der jüdischen Lehre den Weg der Menschen- und Naturgeschichte zurück und zeigt den Akt auf, durch den Mensch und Schöpfung sich von Gott zu trennen begannen. Erblickt man Mensch und Schöpfung vor dem Riß, der sich zwischen ihnen und Gott auftut, und erkennt man den Wesenszug dieses Trennungsakts, so wird man auch die ursprüngliche Einheit dieser jetzt gegensätzlich erscheinenden Werte begreifen lernen. III. Zwei Akte bezeichnen die Entfernung vom Schöpfer: Das Ende des Schöpfungsprozesses und die Sünde. Letztere lag zeitlich vor dem Schöpfungsschluß. Sie fand am sechsten Schöpfungstage statt.9) Nun ist es von grundlegender Bedeutung zu beachten, daß Welt und Mensch während der Schöpfungstage von uns nicht so vorgestellt werden dürfen, wie ihre ף Ps. 13G, 25. •) V, ß. M. 32, 8. ») Talin. b. San!!. 38,8.