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Nahalat tsevi · 1933-07-01 · Heft 10-11 (Juli 1933) · p. Seite 311

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 10-11 (Juli 1933)
Date
1933-07-01
Page
Seite 311 (sequence 15)
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Mi woth. Obwohl!sie, unterstützt :durch die vorangehende B’rochoh, eine Gegenwärtigkeit des Gottesgedankens unbedingt erwarten ließen — die lebendige Beziehung zu Gott ist im Geist vieler praktisch frommer Juden nicht zu verzeichnen. Um die Auswirkung dieser traurigen seelischen Leere in unserer Zeit zu kennzeichnen, genügt es, den erschreckenden Ausdruck ״Orthopraxie“ zu vermerken. Und es dürfte kein Zufall sein, wenn in unserer Zeit auch außerhalb des Judentums eine geistige Bewegung an Macht gewinnt, die als krasseste, äußerste Konsequenz einer solch mangelnden Gottes-Nähe gewertet werden kann: die Gottlosenbewegung. Die Befürchtung ist nicht von der Hand zu weisen, daß in der mangelnden Pflege des Gottesbewußtseins in unserm Kreise unsere Schuld an dieser Bewegung liegen könnte. Denn darüber besteht ja kein Zweifel: Der Weg Gottes zur Menschheit führt über uns. Wir sind seit Abrahams Tagen berufen, den Weg Gottes zu gehen, Träger Seines Geistes zu sein.4) Seine Gegenwart soll sich in unserm Tun und Denken manifestieren. Von hier aus will sie sich weiter ausbreiten. Eine Unterlassung der Pflege unseres Gottes- Bewußtseins bedeutet eine Minderung Seiner Gegenwart auf Erden und schließt daher auch die weitere Schuld in sich, der Verbreitung der Gottesmacht auch in andern Kreisen den Weg erschwert zu haben. Sie gibt andern, gegnerischen Kräften die Möglichkeit, sich ohne Widerstand ausbreiten zu können. Da• her erscheint eine Besinnung auf die Zusammenhänge zwisehen Gott und Welt und Mensch in heutiger Zeit doppelt geboten. Diese Beziehungen im Geiste der alten jüdischen Denker darzustellen, soll Aufgabe der folgenden Ausführungen sein. II. Die große Ferne zwischen Mensch und Gott hat ihre wesenfliehe Ursache in der Fähigkeit des Menschen, sich als selbständiges, freies Wesen Gott gegenüber zu füllten. Die oben erwähnte Formulierung der jüdischen Gottes-Anschauung, Gott als König anzuerkennen, die noch krasser erscheinende Formulierung״ ־das Joch der Gottesherrschaft auf sich zu nehmen“5) scheint eine Lebensanschauung• zum Ausdruck zu bringen, die von Freiheit nichts weiß. Und doch proklamiert das Judentum in allen Schriften die Idee der Freiheit als eine Grundidee.״) *) I. B. M. 18,19. *) Talm. b. Ber. 18,2. 6) z. B. Talm. b. Erub. 54,1

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