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Nahalat tsevi · 1933-05-01 · Heft 8-9 (Mai 1933) · p. Seite 287

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 8-9 (Mai 1933)
Date
1933-05-01
Page
Seite 287 (sequence 55)
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tung, die sich unmöglich auf die Inbetrachtziehung der Ökonomischen Faktoren beschränken kann. V. Ein großer Teil des Hellerschen Buches ist der neusten Zeit und der Aussicht auf die Zukunft gewidmet. Das Judentum als Kaste, meint Heller, ist am Untergang. Mit der Ausbildung der bürgerlichen Schichten in den westeuropäischen Ländern wurde den Juden ihre Monopolstellung im Wirtschaftsleben als Träger der Warenzirkulation genommen. Die Kaste konnte , sich auflösen, sie hatte ihre Aufgabe erfüllt. Das Auflösungsprodukt, sage die jüdischen Individuen, verschwindet auf dem Wege der Assimilation, die mit dem Siege des 'Proletariats die ihr von antisemitischer Seite bereiteten Hemmungen überwinden wird. Im Osten, wo der proletarische Sieg keine jüdischen Individuen, sondern noch die jüdische Kaste antrifft, — und in Rußland schon antraf — wird die Kaste durch Kolonisation zu einem normalen Volk werden. Zum letzteren siehe Krim und Biro-Bidjan. Mit dem Verschwinden des Wirtschaftliehen Unterbaues geht auch der ideologische Oberbau fort, d. h. die jüdische Religion, und was sich sonst noch jüdische Kultur nennt, wird unter den normalen Bedingungen der., proletarischen Kolonisation nicht mehr anzutreffen sein. Die Lösung der Judenfrage durch die Sowjetunion beweist nicht, daß das Judentum als Religion und Kultur verschwinden müsse, sofern seine Träger die wirtschaftliche Funktion wechseln. Sie beweist nur, daß das Judentum notwendig dort abstirbt, wo die Kontinuität des historischen Bewußtseins mit Gewalt unterbrochen wird, indem den Trägern des Juden-, tums der Zugang zu den historischen und religiösen Quellen verwehrt wird. Nicht die wirtschaftliche Umstellung an und für sich bewirkt die Loslösung der jüdischen Jugend in Rußland vom historischen Prozeß des Judentums, sondern die Gewalt, mit der sie aus dem geschichtlichen Zusammenhang bewußt in eine fremde Lebenssphäre hineingestellt wird. Der Untergang des russischen Judentums ist kein Werk der wirtschaftlichen Notwendigkeiten, sondern einer bewußt fortschreitenden Assimilierung, die einer Ideologie zuliebe die Welt-־ geschichte neu beginnen möchte. , Es hat keinen Sinn, über die Zukunftsaussichten eines , proletarischen Siegs in Westeuropa zu streiten. Kein Mensch, kann heute sagen, wann und ob er eintrifft. Aber auch ohne-

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