Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 8-9 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 286 (sequence 54)
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Religion) war Isolierungsmittel der Juden gegen die Umwelt, zum Zwecke der Aufrechterhaltung ihrer wirtschaftlichen Position, sie sollte vor jeder Assimilation schützen, die ihre soziale und ökonomische Rolle genommen hatte.“ (S. 118) Jetzt wissen wir es also! Die Religion der Juden war nicht der Zweck ihrer nationalen Fortexistenz, sie ist vielmehr das Mittel zu einem anderen Zweck, der in der Aufrechterhaltung ihrer sozialen und ökonomischen ״Position“ liegt. Diesem Zwecke zulieb führten sie eine Existenz, der die elementarsten Bedingungen der Lebenssicherheit fehlten. Diesem Zwecke zulieb;ertrugen sie das unmenschlichste Schicksal, heimatlos und vogelfrei zu sein. Die Religion mußte die Trennung von der Umwelt bewirken, damit die Juden sich hur nicht mit ihrer Umgebung vermischten. Und das alles für den edlen Zweck, für das hohe Ideal: Warenzirkulation betreiben zu können. Hier offenbart sich die Unhaltbarkeit, ja die Unsinnigkeit der Hellerschen Konzeption. Das unbegreifliche Ausharren! der Juden des Mittelalters unter den menschenunwürdigen Verhältnissen kann auf keine wirtschaftlichen Faktoren zurückgeführt werden, die diesem Verhalten den Charakter der Notwendigkeit verleihen würden. Dieses Verhalten kann nur aus dem Bewußtsein dieser Menschen, daß ihr Ausharren einen Zweck in höherem Sinne hat, erklärt werden. Da die Religion und verwandte Erscheinungen wegen ihres unmaterialistischen Inhaltes als primäre geschichtsschaffende Faktoren nicht in Betracht kommen, muß ein wirtschaftliches Motiv an ihre Stelle gesetzt werden, das den Zweck dieses geschichtlichen Verhaltens erklären soll. Die Zweckbetrachtung der Geschichte, die für den historischen Materialisten konsequenterweise verboten sein sollte, wird hier durch ein Hinterpförtchen wieder hereingelassen. Sie paßt aber nicht in das System! Historischer Materialismus kennt keine Zwecke, er muß Notwendigkeiten nachweisen. Der Zweckgedanke hebt den Notwendigkeitschafakter des historischen Prozesses auf, für ihn ist!in der Konzeption des historischen Materialismus kein Raum vorhanden. Wo er sich doch einschleicht, kommen Widersinnigkeiten heraus, wie die ist, daß die Juden des Mittelalters zum Zwecke der Warenzirkulation ihr Schicksal trugen. Der Zweckgedanke, der doch hier nicht zu umgehen ist, weist über die Grenzen des Materialismus hinaus auf eine Geschichtsdeu-