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Nahalat tsevi · 1933-05-01 · Heft 8-9 (Mai 1933) · p. Seite 285

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 8-9 (Mai 1933)
Date
1933-05-01
Page
Seite 285 (sequence 53)
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265 W. Die Grenzen der Deutungsmöglichkeit der jüdisch• geschichtlichen Vorgänge mittels der materialistischen Ge- Schichtsauffassung zeigen sich schön in dem Verhalten der nicht jüdischen Welt zu den Juden. Erst recht versagt die Methode in Anwendung auf das Verhalten der Juden!selbst. Die Definition des Judentums im Exil als eine Kaste umschreibt das jüdische Gesellschaftsgebilde von seiner ökonomisehen Rolle her gesehen. Wir erkennen die wirtschaftliche Rolle der Juden innerhalb der Waren produzierenden Gesellschaft. Die Frage aber bleibt offen, warum die Juden über die Jahrtausende hinweg an dieser Rolle festhielten. Sie wäre nur dann geklärt, wenn es für sie eine unumgängliche .'Notwendigkeit bedeutet hätte, in dieser ökonomischen Betätigung zu <verbleiben. Sonst ist es nicht einzusehen, warum eine!Menschengruppe an dieser Betätigung festhält, die eine so ■unerhörte Belastung mit sich bringt und sie der ständigen Gefahr aussetzt, verfolgt und vernichtet zu werden. Man sollte meinen,!daß für den historischen Materialismus keine andere Erklärung übrig bleibt, als die Annahme einer nicht zu umgehenden Notwendigkeit. Doch widerspricht diese Annahme den historischen Tat- Sachen. Denn fast bei allen Judenverfolgungen und -vertreibungen des Mittelalters war ein Vorbehalt gemacht worden: jnämlieh die Annahme des Glaubens, in dessen Namen die Verfolgungen vorgenommen werden sollten. Um diesen Preis hätten die Juden ihre ewig bedrohte Existenz mit normalen Lebensbedingungen vertauschen können. Der Tausch hätte auch ihre ökonomische Struktur geändert: sie wären ein normales Volk, bezw. normale Teile normaler Völker geworden. Sie haben auf diesen Tausch verzichtet. Entweder weil sie ihren Glauben und ihre metaphysisch gewertete nationale Existenz nicht lassen konnten und ihretwegen die Abnormität ihrer materiellen Lebensbedingungen in Kauf nahmen, oder aber — den Kon- Sequenzen ist nicht auszuweichen — sie verzichteten auf den Tausch, weil sie damit auch ihre ökonomische Rolleüer Waren- Zirkulation, die die Grundlage ihrer historischen Existenz bildete, hätten aufgeben müssen. Für die materialistische Ge- Schichtsauffassung bleibt nur die zweite Lösung übrig, da ideale Faktoren, wie sie die erste Lösung voraussetzt, für sie nicht in Frage kommen. Heller zieht die Konsequenz jseiner Konzeption und erklärt ohne Bedenken: ״Sie (die jüdische

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