Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 8-9 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 284 (sequence 52)
- Belongs to
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264 weniger entwickelte Länder, wo die Rolle der .Warenzirkulation noch nicht von der eingeborenen Bevölkerung versehen werden kann. Die Konflikte zwischen den Juden und ihjrer Umgebung sind notwendige Folgen dejr wirtschaftlichen Entwicklung der Länder, die eine gewisse Höhe erreicht hj&ben, so daß die von den Juden monopolisierte Rolle der Warenzirkulation nun von der Bevölkerung selber übernommen werden kann. Die Judenverfolgungen sind das Zeichen höher entwickelter Wirtschafteformen, für die der Jude mit seiner ökonomischen Funktion überflüssig geworden ist. Die religiöse Motivierung der Pogrome ist eine Verschleierung der wirklichen Gründe, die in der Gesetzmäßigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung begründet liegen. Es ist schade, meint Heller, darüber :Tränen zu vergießen. Es ist eine Binsenwahrheit der jüdischen Geschichteschreibung, daß die Judenvertreibungen immer von denjenigen Schichten der Bevölkerung ausgingen, die mit den Juden in wirtschaftlichen Konflikt geraten sind. Doch den Ereignissen eine gesetzliche Notwendigkeit zuzuschreiben, ist ein zu starkes Stück. Gerade angesichts der größten Judenverfolgung, die die Geschichte kennt, nämlich der spanischen, versagt die Theorie. Sie ist gewiß auch von materiellen Interessen gewisser!Schichten mit bestimmt worden, aber das wirtschaftliche Interesse hat keinen gesetzmäßigen Charakter. Gerade hier waren die Juden in der Wirtschaft nicht überflüssig geworden, und!nachdem sie vertrieben waren, fand sich keine soziale Schicht, die in die wirtschaftliche Position der Juden hätte vorrücken können. Die Lücke, die in der Wirtschaft Spaniens!durch Ausweisung der Juden entstand, konnte durch keine andere Gruppe der Bevölkerung ausgefüllt werden, und sie wurde zu einer der Ursachen, die Spaniens Niedergang bewirkten. Der religiöse Fanatismus und primitive Habgier stehen hinter diesem traurigsten Kapitel jüdischer, aber auch spanischer Geschichte. Von einer wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeit läßt sich dabei nichts erkennen. Freilich, wenn man aus einer Weltanschauung an die Dinge herangeht, für die es im Religiösen und Ethischen weder Bewährung noch Versagen gibt, ist man gezwungen, hinter den Ereignissen wirtschaftliche Notwendigkeiten zu sehen, wo in Wirklichkeit die Verirrungen einer religiösen!Welt die bestimmenden Faktoren sind.