Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 8-9 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 282 (sequence 50)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2551369-2551370-2551376--1204-2552713- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
252 toren 1vorbestimmt zu sehen. Es fragt sich nur, ob die jüdische Geschichte selber diese Konzeption des historischen Ablaufes gelten läßt, ob also das historische Bewußtsein der Träger dieser Geschichte den Ablauf so empfand, wie es Heller nachfraglich festzustellen beliebt. Geht man davon aus, daß für die geschichtliche Wirksamkeit einer Menschengruppe das!maßgebend sei, was sie in ihren historischen Anfängen unter den naturgegebenen Umständen erleben mußte, so ist die Voraussetzung der Nachwirkung, daß im späteren Verlaufe der Geschichte die eigenen Träger ihrer Vergangenheit sich in jener Form bewußt werden, in der sie ihnen die Vorbestimmung verlieh. Will man sich nicht auf mystifizierende Vererbungstheorien einlassen, — und das liegt Heller wahrlich fern — so kann der geschichtliche Anfang für die spätere!Zukunft nur in jener Form als wirksam angenommen werden, in der er in der Zukunft als ehemalig existierend nachlebt, wie er, als Vergangenheit in der Ueberlieferung gepflegt und für das Bewußtsein bestimmend wurde. Für die historische Wirkung der Vergangenheit ist nicht das bestimmend, was die Wissenschaft als historische Wahrheit nachträglich feststellen zu können giaubt, sondern das, was in der lebendigen Ueberlieferung zum historischen Bewußtseinsinhalt des Volkes erhoben wurde. Auf unsere Frage angewandt heißt das: es ist einerlei, wie es um die historische Wahrheit der Berufsschichtung der antiken Juden bestellt ist; wirksam kann sie für die spätere Zeit nur geworden sein, in der Form, wie sie in dieser Zeit erlebt und vorgestellt wurde. Das Bewußtsein der späteren Epochen kann durch die Vergangenheit nur durch jenes Bild geformt worden sein, das sie sich von ihr machten. Es ist ein Gelehrtenstreit, ob die antiken Juden auch Handel trieben oder nicht. Heller, der sich auf Hertzfelds Untersuchungen stützt, behauptet, ihre ausgeprägte Wirtschaftsfunktion sei der Handel gewesen. Aber der Bibel lernende Jude, dessen Mentalität angeblich durch diese ausgeprägte Wirtschafsttätigkeit!seiner Vorfahren bestimmt wurde, wußte von alledem nichts. Er mußte in der Zuhörerschaft der Propheten ein Ackerbau treibendes Volk erkennen. War er sehr aufmerksam, so fand er, seinem Urenkel Hertzfelds gleich, daß diese Juden auch immerhin Handel trieben. Aber auf den Gedanken' Hellers, daß die Juden der Bibel ein Handel treibendes Volk katexochen waren mit