Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 8-9 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 277 (sequence 45)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551370-2551376--1199-2552708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
277 ter besonderer Betonung der ״Jugendkultur“ als Wesiensinhalt auch ihrer Jugendbewegung. Die Fronten lagen nun durchaus nicht so, daß die Befürworter einer Trennung nun gleichzeitig Gegner der Agudas Jißroel, vielleicht gar organisierte Zionisten bezw. Misrachisten waren. Manche glaubten mit einer Loslösung sogar der Agudas Jißroel zu dienen, die doch als politische Organisation bei gewissen Zielsetzungen verbleiben müsse, die für die Jugend ungeeignet sind. ,Was aber besaß die Jugend Besonderes, daß sie für besondere Aufgaben sich fähig wähnte? Ein gerüttelt Maß an Entschlossenheit, Tatkraft, den Willen und die Pflicht zur Unbedingtheit, ,unbeirrbare Hoffnung und vor allem genügend ״goldene Rücksichtslosigkeit“ in der Erreichung ihres Zieles, wie man sie einer politischen Organisation niemals zubilligen darf. Waren das alles nicht Gründe genug für eine Loslösung? Und es waren—dieses Urteil darf die rückschauende Betrachtung fällen — wirklich nicht die Schlechtesten im Bunde, die von einer unpolitischen Haltung des Esra für ihre Jugendarbeit sich weit mehr versprachen als im Verbleiben bei der M utterorganisation. So kam der Halberstädter Führertag im August 1919, auf dem in leidenschaftlicher und zuweilen polemischer Weise die Kämpfe um die politische Haltung ausgetragen wurden. Das äußerste Fazit der Tagung bezeugt ein Passus aus dem damals formuliertem Esra-Statut: ״Der Mitbegründerin des Esra, der Agudas Jißroel Jugendorganisation, wird das Recht zur Entsendung eines Vertreters in die Bundesleitung eingeräumt. Irgendwelche organisatorische Verbindung mit der A. J. J. O. ist damit nicht beabsichtigt. Der Esra ist vielmehr unabhängig von jeder Organisation und hat sich jeder jüdisch-politischen Stellungnahme zu enthalten.“ Aber diese Feststellung war nicht das einzige Ergebnis der Halberstädter Tagung. Man lernte sich jetzt zum ersten Male richtig kennen, ohne im Zusammensein sich beengt zu fühlen durch das moralische Uebergewicht der erfahrenen Agudoh-Politiker. Das jetzt erst entstandene Gemeinschaftsgefühl ermöglichte den Beschluß, als äußeres Zeichen freundschäftliehen Verkehrs das allgemeine ״Du“ durchzuführen. Den heutigen Esräern erscheint es unvorstellbar, fast lächerlich', daß ein ״Beschluß“ erst diesen äußeren Ausdruck einer Lebensform