Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 8-9 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 276 (sequence 44)
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a76 beobachteten, demgegenüber die ״Alten“ eine fast rührende Verständnislosigkeit an den Tag legten. Das Alter der Führer schwankte damals zwischen 16 und 40 Jahren, ging in einigen Fällen aber noch darüber hinaus. Die Idee des Wandervogels, ins jüdisch-orthodoxe Milieu übertragen, erschien auf den ersten Blick wirklich etwas absurd. Man wird ja auch vergeblich nach einer adäquaten Erscheinung in der jüdischen Vergangenheit suchen und nicht ohne Grund von בטול זמן sprechen. Man überlege sich: Die Idee des1 Wandervogels ist in einem so ganz unjüdisChiem Milieu entstanden (Freideutsche Jugend, Wyneken) und in ihrer ursprünglichen Formgebung vielleicht der unjüdischste Weg, den die Erziehung kennt, sodaß man schon allen Grund hatte, mißtrauisch zu sein. Und nun vom Geistigen her gesehen: Eine wahre Bewegu ng entsteht immer nur von innen heraus, durch die Wirkung einer immanenten Kraft, die ohne jedes Zutun von außen explosiv 1hervorbricht aus einer Gruppe von Menschen. Sie wird nicht gegründet, nicht konstruiert oder konstituiert, sie ist immer nur die Wirkung von geistigen Prozessen, die sich innerhalb einer bestimmten Gemeinschaft abspielen. Wir sehen in dieser Begriffsbestimmung schon den Keim zu den ersten Konflikten im Esra: Jugendpflege oder Jugendbewegung? Man könnte es beinahe so,formulieren, daß der Esra den Weg von der Jugendpflege zur Jugendbewegung gegangen ist, und der Historiker registriert zunächst einmal — ohne einen ursächlichen Zusammenhang feststellen zu wollen — daß mit dieser Entwicklung der Esra sich immer weiter von der Agudas Jisroel entfernt. Eine ungeheure Tragik liegt in dieser Entwicklung, bei der das, was man so gemeinhin״ Schuld“ nennt, gerechterweise auf beide Seiten verteilt werden muß. Im Folgenden soll der Versuch gemacht werden, diese Entwicklung darzustellen. in. Die Epoche des Esra nach der Würzburger Tagung trug trotz aller aufgewandter Mühe die Kennzeichen der Improvisiertheit an sich. Allzuhart im engen Raume stießen sich die Meinungen derer, die in der Agudas Jißroel die einzig mögliche Plattform jüdisch-orthodoxer Jugendarbeit sahen, mil denen, die bei aller ideellen Uebereinstimmung mit dem Zielen der Agudoh eine selbständige Organisierung der Jugend •forderten, un-