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Nahalat tsevi · 1933-05-01 · Heft 8-9 (Mai 1933) · p. Seite 261

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 8-9 (Mai 1933)
Date
1933-05-01
Page
Seite 261 (sequence 29)
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261 Harmonie, die vielfach mit dem Gedanken einer allweisen göttlichen Weltenlenkung verknüpft wird, abgesehen. Nur der einzelne im Kapitalismus stehende Mensch hat ein Verhältnis zu Gott. Nun könnte man meinen, daß bei solcher Sachlage das kapitalistische System für die Religiosität der Menschen irrelevant sei, indem es diese zwar nicht fördere wie das biblische System, aber auf der anderen Seite auch nicht behindere. Dem ist aber nicht so, denn wie der Einzelne das Verhältnis Gottes zur Wirtschaft sieht, hängt entscheidend Von der ökonomischen Gestaltung der Wirtschaft und von der Stellung ab, die der Einzelne in der Wirtschaft einnimmt. Zuvörderst ist festzustellen, daß es unabhängig von jeder wirtschaftlichen Ordnung ein natürliches Verhältnis zwischen Gottund Wirtschaft (genauer zwischen Gott und Mensch im Bereich der Wirtschaft) gibt. Dieses Verhältnis kommt am deutlichsten in der Landwirtschaft zum Ausdruck. Der Landmann bestellt den Boden und senkt in ihn seinen ganzen Fleiß und all seine Kraft, aber ob die Arbeit Früchte tragen wird, das muß er von einer höheren Macht abhängig machen, und diese ist für den natürlich empfindenden Menschen Gott, der den ״Schlüssel des Regens“ (נשמים Sc* פתח£) in Händen hält. Für die der Urproduktion ferner stehenden Berufe ist dieses Verhältnis kein so unmittelbares. Aber bei einer natürlichen Ordnung der wirtschaftlichen Dinge, wo die Idee der Nahrung im Vordergrund steht und die Volkswirtschaft noch nicht von dem Widerstreit der Interessen der verschiedenen Wirtschaftsgruppen erschüttert ist, zumal dort, wo wie im biblischen System der Hauptteil der Bevölkerung unmittelbar mit der Landwirtschaft verbunden ist, ist es doch so, daß die Gesamtheit des Volkes ihr wirtschaftliches Wohlergehen als vom Segen des Himmels abhängig empfindet. Wie aber ist es in der Welt des Kapitalismus? Es sind ganz andere Abhängigkeiten, die hier den wirtschaftlichen Erfolg entscheiden. Selbst der Landwirt, der jetzt in erster Linie für den Markt produziert, strebt ־meist nur noch danach, daß seine Ernte im' Vergleich zur!allgemeinen Ernte günstig ausfalle, daß aber überhaupt die Ernte reich sei, das wünscht er sich gar nicht. Denn was bedeutet ״Segen des Himmels“ in kapitalistischer Terminologie? Preisdrückendes Angebot! Und so wandein sich die Dinge. Einst hieß die Krisle Hungersnot; wenn der Segen des Himmels ausgeblieben war, fehlte es an Brot. Heute

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